Studie warnt: EU-Agrarreform trifft Ostdeutschland stärker

20.07.2026 18:19

Große Agrarbetriebe sind im Osten weit verbreitet. Genau das könnte
nach Einschätzung von Forschenden zum Problem werden, wenn die EU
ihre Agrarpolitik wie geplant umbaut.

Halle (dpa) - Die geplante Agrarreform der Europäischen Union könnte
die Landwirtschaft in Ostdeutschland deutlich stärker treffen als in
vielen anderen Regionen Europas. Davor warnt eine Studie des
Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien
(IAMO) und der Universität Rostock. Grund seien vor allem die in
Ostdeutschland verbreiteten großen Agrarbetriebe, die nach den Plänen
der EU-Kommission mit geringeren Direktzahlungen rechnen müssten.

Die Europäische Kommission will die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) für
die Förderperiode von 2028 bis 2034 reformieren. Vorgesehen ist unter
anderem, flächenbezogene Direktzahlungen für größere Betriebe zu
kürzen und stärker zugunsten kleinerer Höfe umzuverteilen.
Gleichzeitig sollen die Mitgliedstaaten bei der Ausgestaltung der
Förderprogramme mehr Spielraum erhalten.

Große Betriebe besonders betroffen

Nach Einschätzung der Forschenden hätte das in Ostdeutschland
weitreichende Folgen. Anders als in vielen westdeutschen Regionen
prägen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen häufig große Landwirtschaftsbetriebe das

Bild. Werden deren Direktzahlungen gekürzt, könne das nicht nur
einzelne Unternehmen belasten, sondern auch Beschäftigung, regionale
Wertschöpfung und Einkommen im ländlichen Raum beeinträchtigen, hei
ßt
es in der Untersuchung.

Zugleich befürchten die Autoren Folgen für Umwelt- und
Klimaschutzmaßnahmen. Viele Agrarumweltprogramme würden bislang von
größeren Betrieben getragen. Sinkende Einnahmen könnten ihre
Bereitschaft verringern, an aufwendigen Förderprogrammen
teilzunehmen.

Länder müssten wohl mehr Geld beisteuern

Kritisch sehen die Wissenschaftler auch die geplante Finanzierung.
Künftig müssten Umwelt- und Entwicklungsprogramme für den ländliche
n
Raum stärker von den Mitgliedstaaten mitfinanziert werden, während
die Einkommensstützung weiter vollständig aus dem EU-Haushalt bezahlt
würde. Dadurch könnten Länder oder Regionen mit knappen Haushalten
unter zusätzlichen Druck geraten.

Für Sachsen allein beziffert die Studie den zusätzlichen Finanzbedarf
auf rund 240 Millionen Euro, um das bisherige Förderniveau
aufrechtzuerhalten.

Forschende empfehlen Änderungen

Aus Sicht der Autoren sollten die geplanten Kürzungen großer Betriebe
in ihrer jetzigen Form nicht umgesetzt werden. Falls sie auf EU-Ebene
dennoch beschlossen würden, sollten aus ihrer Sicht zumindest
Ausnahmeregelungen geschaffen und gekürzte Mittel in den betroffenen
Regionen verbleiben. Zudem plädieren die Forschenden dafür,
bestehende Umweltprogramme weiterzuentwickeln und deren Finanzierung
langfristig abzusichern.