EU stellt Unterstützung für Kunstbiennale in Venedig ein

21.07.2026 20:33

Russland nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Angriff auf die
Ukraine an der Kunstbiennale in Venedig teil. Dagegen gab es
Proteste. Jetzt ist eine Entscheidung zur EU-Unterstützung gefallen.

Brüssel/Venedig (dpa) - Die EU stellt die Förderung der Kunstbiennale
von Venedig wegen der umstrittenen Teilnahme Russlands ein. Die
Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) habe nach
der rechtlichen Bewertung und Empfehlung der EU-Kommission
beschlossen, den laufenden, mit zwei Millionen Euro dotierten
Zuschuss an die Fondazione La Biennale di Venezia zu beenden, teilte
ein Kommissionssprecher in Brüssel mit.

«Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert
werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog,
Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern - Werte, die im heutigen
Russland nicht geachtet werden», erläuterte der Sprecher. 

Die Leitung der Kunstbiennale bezeichnete die Streichung der
Zuschüsse aus Brüssel als längst erwartete «politische Entscheidung
»,
gegen die man vorgehen werde. Sie habe jedoch «keine signifikanten
Auswirkungen auf das Budget, den Haushalt oder auf geplante oder
laufende Aktivitäten».

Die Kunstbiennale in Venedig zählt zu den wichtigsten internationalen
Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. In diesem Jahr findet sie vom
9. Mai bis 22. November statt. Mit dem Zuschuss half die EU bei der
Unterstützung von Filmproduzenten und immersiver Technik. Die
Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur verwaltet Mittel
für Bildung, Kultur, audiovisuelle Medien, Sport, Bürgerbeteiligung
und Freiwilligenarbeit. 

Russischer Pavillon bleibt geschlossen

Russland nimmt erstmals seit Beginn seiner Invasion in der Ukraine an
der Kunstbiennale teil. Rund 50 vom russischen Staat handverlesene
Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an
dem Musik- und Performanceprojekt «Der Baum ist im Himmel
verwurzelt».

Zwar bleibt der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist,
für ein breites Publikum geschlossen, Besucher sehen aber draußen die
Installation auf einem großen Bildschirm. Das sei von Anfang an so
geplant gewesen, sagte die umstrittene Kuratorin Anastassija
Karnejewa, Tochter eines beim Staatskonzern Rostec tätigen
Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals. Russland sieht
die Teilnahme als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. 

Tausende Kulturdenkmäler in der Ukraine zerstört

Schon nach der Ankündigung Russlands hatte es Kritik gegeben.
Verurteilt wurde die russische Kulturoffensive als Teil von Moskaus
«hybrider Kriegsführung». 

Die Ukraine protestierte gegen Russlands Teilnahme, auch weil im Zuge
des Moskauer Krieges nach offiziellen Angaben Kiews mittlerweile
Tausende Kulturdenkmäler und andere kulturelle Einrichtungen zerstört
oder beschädigt wurden. Außenminister Andrij Sybiha und
Kulturministerin Tetjana Bereschna gaben an, dass die designierte
Leiterin des russischen Pavillons Kontakte zur Rüstungsindustrie
ihres Landes habe.

Mitglieder der EU-Kommission hatten im März angekündigt, man werde
die Aussetzung oder Beendigung des laufenden EU-Zuschusses an die
Biennale-Stiftung prüfen. «Diese Entscheidung der Fondazione Biennale
ist nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die
brutale Aggression Russlands», kritisierten Glenn Micallef und Henna
Virkkunen. 

Viel Andrang für Biennale

Trotz oder möglicherweise auch infolge der Kontroverse lagen die
Besucherzahlen nach Schätzungen in den ersten beiden Monaten deutlich
höher als zu Beginn der Kunstbiennale 2024. Die italienische
Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete Mitte Juli unter Berufung auf
Quellen in Venedig von einem Besucherplus von 20 Prozent. 

Vor vielen nationalen Pavillons gebe es immer wieder lange Schlangen.
Sollte sich der Trend fortsetzen, würde die aktuelle Ausgabe zur
bestbesuchten Kunstbiennale ihrer mehr als 125-jährigen Geschichte.
Die Ausstellung dauert noch bis zum 22. November.