Krisendestillation für Rotwein und Rosé möglich

21.07.2026 15:56

Die EU hat den Weg für die Destillation von Rot- und Roséweinen
freigemacht. Damit kann aus Wein Industriealkohol werden. Der wird
unter anderem für Reinigungsmittel verwendet.

Mainz (dpa) - Die Destillation von Rot- und Roséweinen aus den
Anbaugebieten Rheinhessen und Württemberg wird nach Darstellung der
neuen rheinland-pfälzischen Weinbauministerin Christine Schneider
finanziell von der EU gefördert. «Mit der Destillation schaffen wir
kurzfristig Entlastung in einer angespannten Marktsituation», sagte
die CDU-Politikerin in Mainz. Ziel sei es, das bestehende Überangebot
abzubauen.

Die Förderung betrage 43 Cent je Liter. Zusätzlich würden 16 Cent pro

Liter für Logistik- und Brennkosten gewährt. Zugelassen seien Weine
des Jahrgangs 2025 und älter. Die EU stelle dafür insgesamt 14,16
Millionen Euro zur Verfügung, was einer Höchstmenge von rund 24
Millionen Litern entspricht. 

Start voraussichtlich im vierten Quartal

Die Antragsverfahren würden vorbereitet. «Aufgrund der notwendigen
gesetzlichen und technischen Vorarbeiten rechnen wir derzeit mit
einem Start im vierten Quartal», heißt es im Ministerium. «Wichtig
ist, dass die Destillation erst nach Bewilligung des Antrags erfolgen
darf. Wer seine Weine vorher destillieren lässt, kann keine Förderung
erhalten.»

Die Europäische Kommission habe dem deutschen Antrag auf eine
außergewöhnliche Marktintervention zugestimmt. Die Verordnung solle
in der zweiten Augusthälfte veröffentlicht werden, sagte Schneider. 


Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, darf der bei der
Krisendestillation gewonnene Alkohol ausschließlich für industrielle
Zwecke genutzt werden, also etwa für Desinfektionsmittel und Energie,
heißt es im Ministerium. Eine Verwendung für die Lebensmittel- und
Getränkeindustrie sei nicht zulässig.

 Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht bringen 

«Gleichzeitig bleibt es unser Ziel, Angebot und Nachfrage mit
strukturellen Maßnahmen und einer stärkeren Absatzförderung wieder
dauerhaft ins Gleichgewicht zu bringen», betonte Schneider. Die
CDU-Ministerin war bis vor kurzem noch Mitglied des EU-Parlaments und
dort unter anderem für Wein zuständig. 

Die Weinwirtschaft stehe weltweit vor großen Herausforderungen.
«Veränderte Konsumgewohnheiten und geopolitische Entwicklungen haben
die Nachfrage nach Wein in den vergangenen Jahren sinken lassen», so
Schneider. Gleichzeitig seien die Produktionskosten deutlich
gestiegen. «Viele Weinbaubetriebe stehen dadurch wirtschaftlich unter
erheblichem Druck.»

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hätten die Bundesregierung
daher gebeten, bei der Europäischen Kommission eine außergewöhnliche

Marktintervention aus der EU-Agrarreserve zu beantragen. Interesse
daran hätten die beiden Anbaugebiete gezeigt. Rheinhessen ist das
größte der 13 Anbaugebiete in Deutschland, Württemberg das
viertgrößte.