EU-Kommission billigt Warner-Übernahme durch Paramount Von Ann-Kristin Wenzel und Andrej Sokolow, dpa

22.07.2026 19:40

Der Mega-Deal der US-Filmstudios sorgt seit Monaten für Diskussionen.
Wettbewerbshüter in mehreren Ländern prüfen, in den USA gab es gerade

einen Gerichtsbeschluss. Jetzt hat Brüssel entschieden.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission hat der Übernahme des
Hollywood-Urgesteins Warner Brothers durch den Konkurrenten Paramount
unter Auflagen zugestimmt. Dabei geht es um den Vertrieb von Filmen
in Europa, wie aus einer Mitteilung der Brüsseler Wettbewerbshüter
hervorgeht. 

Die Brüsseler Behörde prüft große geplante Zusammenschlüsse, die

Auswirkungen auf den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt haben
könnten. Das betrifft auch ausländische Unternehmen mit hohem Umsatz,
die auch in der EU tätig sind. 

Warner Bros. Discovery und Paramount betreiben dort jeweils unter
anderem Streamingdienste (Paramount+, Max), lizenzieren Filme und
TV-Formate an europäische Fernsehsender und verleihen Filme. Die
EU-Kommission stellte fest, dass es im Bereich der Filmproduktion
trotz einer Übernahme genügend Wettbewerber im Europäischen
Wirtschaftsraum geben wird. Als Beispiele nannte sie andere große
US-Filmstudios wie Disney, NBC Universal (Universal) und Sony,
«kleinere US-Studios wie Amazon MGM, A24 und Lionsgate sowie
europäische Filmstudios». 

Änderungen bei Filmvertrieb

Beim Vertrieb von Filmen sah die Kommission aber eine zu hohe
Marktkonzentration. Paramount Pictures und Universal Pictures
vertreiben über das Gemeinschaftsunternehmen United International
Pictures (UIP) Filme an Kinobetriebe. 

«Durch die Transaktion wären auch die Filme von Warner über UIP
vertrieben worden. Ohne Gegenmaßnahmen hätte dies zu ungünstigeren
Miet- und Vertriebsbedingungen für Kinobetreiber geführt und
letztlich Verbraucher benachteiligt», bemängelt die EU-Kommission.
Paramount habe deshalb verschiedene Verpflichtungen angeboten, die
sicherstellen, dass die Filme des fusionierten Unternehmens nicht
gemeinsam mit Filmen von Universal oder Disney vertrieben werden.

So muss Paramount nun innerhalb von 13 Monaten nach Abschluss der
Transaktion seine Beteiligung an UIP im Europäischen Wirtschaftsraum
beenden. Für zehn Jahre darf Paramount zudem keine Vereinbarungen
oder Absprachen mit Universal über den gemeinsamen Vertrieb von
Filmen in Europa abschließen und für den Vertrieb von Warner- oder
Paramount-Filmen nicht den gleichen Kinofilmvertrieb nutzen wie
Disney und Universal. Ein unabhängiger Treuhänder überwacht die
Umsetzung.

Der Filmverleih United International Pictures (UIP) mit Hauptsitz in
London war 1981 gegründet worden. Darüber werden nach UIP-Angaben
weltweit mehr als 1.000 Filme unter Lizenz vertrieben, davon mehr als
100 Oscar-Preisträger - zum Beispiel «Der Pate» und «Breakfast at
Tiffany's». 

In Deutschland und einigen anderen Märkten arbeiten Universal
Pictures und Paramount Pictures schon seit einigen Jahren nicht mehr
in der United International Pictures zusammen. Stattdessen nutzen sie
eigene Verleihunternehmen, Paramount Pictures Germany und den
internationalen Verleiharm von Universal Pictures. 

Rechtsstreit in den USA

Unabhängig von der EU-Kommission prüfen Behörden in anderen
betroffenen Ländern. Die US-Regierung genehmigte den Milliardendeal
bereits ohne Auflagen. Doch nach einer Klage von zwölf
US-Bundesstaaten wurde die Übernahme Anfang dieser Woche per
Gerichtsbeschluss für zunächst zwei Wochen ausgesetzt. In dieser Zeit
soll über die von den Bundesstaaten angestrebte längerfristige
einstweilige Verfügung gegen den Vollzug des mehr als 100 Milliarden
Dollar schweren Deals verhandelt werden. 

Die Bundesstaaten argumentieren unter anderem, der Zusammenschluss
werde den Wettbewerb bei populären Filmen verzerren und dadurch die
Kinos unter Druck setzen. Aus Sicht der Richterin konnten sie
zumindest demonstrieren, dass Paramount und Warner zusammen einen
erheblichen Marktanteil in dem Geschäft hätten - was eine zeitweise
Aussetzung der Fusion rechtfertige. 

Kritiker sorgen sich wegen Trump-Nähe um CNN 

Hinter Paramount steht die Familie des Software-Milliardärs Larry
Ellison, der als Unterstützer von Präsident Donald Trump bekannt ist.
Trump-Kritiker in den USA befürchten, dass CNN unter dem Dach von
Paramount die redaktionelle Unabhängigkeit verlieren könnte. Die
Nachrichtenredaktion des Paramount-Senders CBS fiel nach der
Übernahme durch die Ellison-Familie im vergangenen Jahr durch
wohlwollendere Berichterstattung gegenüber Trumps Regierung auf. 

Ellison will an Gewicht in Hollywood gewinnen. Paramount ist derzeit
noch einer der kleineren Player der Branche. Zu bekannten Marken
zählen «PAW Patrol» und «Mission: Impossible». Zu Warner gehöre
n
unter anderem das DC-Superhelden-Universum mit Superman und Batman,
Filmreihen wie «Harry Potter» sowie ein starkes Streaming-Geschäft.
 

Hollywood-Stars kritisierten Übernahme

Ende Februar hatte der Hollywood-Konzern Warner Bros. Discovery der
milliardenschweren Übernahme durch Paramount Skydance zugestimmt.
Rivale Netflix war kurz zuvor aus einem langen Bieterstreit
ausgestiegen. 

Hollywood-Stars wie Jane Fonda, Javier Bardem und Ben Stiller
stellten sich im April entschieden gegen die Übernahme. «Zunehmend
bestimmt eine kleine Zahl mächtiger Akteure, was produziert wird -
und zu welchen Bedingungen», hieß es in einem Brief, den einer
Mitteilung zufolge mehr als 1.000 Menschen aus der Branche
unterschrieben.