Ende von Trumps weltweiten Zöllen: Wann kommen die nächsten? Von Khang Mischke, dpa

23.07.2026 03:00

Nach seiner Niederlage vor dem Obersten US-Gericht ließ Trump nicht
locker und erhob für 150 Tage neue globale Abgaben. Was haben die
Zölle des Präsidenten den USA gebracht und wie geht es weiter?

Washington (dpa) - Für Donald Trump sind Zölle gegen unliebsame
Verbündete und Handelspartner ein bewährtes Mittel, um US-Interessen
durchzusetzen. Nach seiner Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof
der USA bestand der US-Präsident darauf, seine von Kritikern stark
infrage gestellte Zollpolitik fortzuführen. Seither wird auf die
meisten Einfuhren ein Zoll von zehn Prozent erhoben - doch der
zeitliche Rahmen dafür läuft nun aus. Ein Überblick:

Um welche Zölle geht es dieses Mal überhaupt?

Grundlage für die neuen Importgebühren ist der Paragraf 122 aus dem
Handelsgesetz von 1974, das die Erhebung einer Abgabe von höchstens
15 Prozent maximal 150 Tage lang erlaubt. Seit dem 24. Februar 2026
verlangen die USA auf die meisten Einfuhren aus dem Ausland einen
Zoll von zehn Prozent, die Frist läuft am Freitag (24. Juli) aus.

Was passiert nach Auslaufen der Frist?

Nach dem Stichtag müsste das US-Parlament seinen Segen geben, damit
die Regierung nach der Frist weiter die Abgaben erheben darf.
Angesichts der ohnehin hohen Inflation derzeit ist dies mehr als
unwahrscheinlich. 

So dürften es sich weder Republikaner noch Demokraten wenige Monate
vor den wichtigen Zwischenwahlen des Kongresses mit ihren Wählern
verscherzen wollen. Letztere haben infolge der Energiekrise - ein
Resultat des von Trump vorangetriebenen Kriegs gegen den Iran -
ohnehin mit erhöhten Lebenshaltungskosten zu kämpfen.

Dabei könnte Trumps Lieblingsinstrument genau das sein, was US-Bürger
entlasten könnte, befand das unabhängige Council on Foreign
Relations: «Eine Senkung der Zölle könnte für die Trump-Regierung e
in
wirksames Mittel sein, um auf die Sorgen der Wähler hinsichtlich der
Lebenshaltungskosten einzugehen.» Die meisten Amerikaner seien
überzeugt, dass Zölle die Preise für eine Reihe von Gütern erhöht
en.

Was hatte der Supreme Court entschieden? 

Zuvor war Trump vor dem Supreme Court gescheitert. Dieser hatte
entschieden, dass seine früheren Zölle gegen Dutzende Handelspartner
- darunter auch die Europäische Union - auf Basis eines
Notstandsgesetzes rechtswidrig waren. Trump habe dabei seine
Befugnisse als Präsident überschritten, urteilte eine deutliche
Mehrheit der Richter.

In der Konsequenz muss die US-Regierung nun Milliarden an Zöllen
wieder zurückzahlen. Zwischen Oktober 2025 und Ende Juni wurden dem
Finanzministerium zufolge rund 81,3 Milliarden US-Dollar (knapp 72,9
Mrd Euro) erstattet - ein Großteil davon ist laut Haushaltsbehörde
des US-Kongresses (CBO) auf das Urteil des Supreme Courts
zurückzuführen. Im Vorjahreszeitraum wurden noch knapp 5,3 Milliarden
Dollar zurückgezahlt.

Wie schätzen Experten Trumps Zollpolitik ein?

Experten und Ökonomen sehen Trumps Vorgehen kritisch. «Die
beispiellose und chaotische Zollpolitik der Trump-Regierung (...) hat
der US-Wirtschaft schweren Schaden zugefügt», heißt es etwa in einer

Analyse der unabhängigen und unparteiischen Denkfabrik Center for
American Progress. Grund dafür seien Umfang und «ihre oft impulsive
Umsetzung» gewesen. So hatte Trump oft unangekündigt und mit wenig
Tagen Vorlauf neue Zölle öffentlich gemacht.

«Sie führten weder zu neuen Handelsabkommen noch zu einem besseren
Marktzugang für amerikanische Exporteure», resümierte Ryan Mulholland

vom Center for American Progress. Er betonte, dass auch zusätzliche
ausländische Investitionen in die US-Wirtschaft fehlten. Und er
bemängelte, dass das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten im Mai
bei 77,6 Milliarden US-Dollar gelegen habe - 41 Prozent höher als zum
Zeitpunkt der Zollankündigung.

Experten gehen davon aus, dass vor allem Trumps Landsleute die
Leidtragenden sind: Die überparteiliche Denkfabrik Tax Foundation
schätzt, dass US-Haushalte im laufenden Jahr im Durchschnitt eine
Zusatzbelastung von 700 Dollar zu schultern haben - das Tax Policy
Center beziffert die Bürde sogar auf 960 Dollar.

Wie geht es jetzt weiter?

Theoretisch kann Trump das gleiche Handelsgesetz aus dem Jahr 1974
heranziehen, um auf Basis eines anderen Paragrafen neue Zölle zu
verhängen. So räumt Paragraf 301 der Regierung die Möglichkeit ein,
bei nachweislich «ungerechtfertigten, unangemessenen oder
diskriminierenden» Handelspraktiken entsprechend aktiv zu werden. 

Voraussetzung dafür ist, dass die Regierung zuvor Kommentare
eingeholt und Anhörungen durchgeführt hat. Dies war zuletzt bei
Brasilien der Fall, als der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer
einen Zoll von 25 Prozent auf bestimmte Güter des südamerikanischen
Landes verkündete. Die Untersuchung habe eine Vielzahl von unfairen
Handelspraktiken offenbart, hieß es.

Zuletzt hatte Greer im Gespräch des US-Senders CNBC Konsequenzen
signalisiert, die aus Untersuchungen auf Basis des Paragrafen 301 zu
Zwangsarbeit resultierten. Er war auf einen Artikel der «Financial
Times» angesprochen worden, der eine zeitnahe Ankündigung von Zöllen

gegen Einfuhren aus Dutzenden Ländern thematisiert hatte.

Anfang Juni hatten die USA Zölle gegen 60 Volkswirtschaften
angedroht, weil diese Importe von Produkten aus mutmaßlicher
Zwangsarbeit nicht verhinderten oder bestehende Importverbote nicht
genügend überprüften. Demnach müssen etwa die Europäische Union (
EU),
Großbritannien und die Schweiz, aber auch Staaten in Afrika, Asien
und Lateinamerika sowie Kanada und China mit zusätzlichen Zöllen
zwischen 10 und 12,5 Prozent rechnen.

Und was ist mit den EU-Exporten in die USA?

Für die meisten Importe aus der EU gilt weiter ein Zoll von bis zu 15
Prozent. Dabei handelt es sich um das auch als «Turnberry-Deal»
bekannte, bilaterale Handelsabkommen zwischen der EU und den USA.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich
darauf geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. 

Brüssel machte weitere Zugeständnisse wie die Abschaffung von
EU-Zöllen auf US-Industriegüter. Angesichts der impulsiven Politik
unter Trump hat die EU nun zusätzlich ein Sicherheitsnetz eingebaut:
Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder
Absprachen wieder ausgesetzt werden, können die EU-Konzessionen
ausgesetzt werden - etwa bei erneuten Zollerhöhungen.

Wie ist der aktuelle Stand bei den EU-Ausfuhren?

Bislang hält sich Washington laut Brüsseler Kreisen zumindest in den
meisten Fällen an das Abkommen. Für rund 93 Prozent der EU-Exporte in
die Vereinigten Staaten fielen Zölle in Höhe von maximal 15 Prozent
an, sagte ein EU-Beamter. Bei den restlichen Produkten liege der Satz
allerdings höher: Dies sei etwa für Käse zutreffend, der effektiv mit

knapp 25 Prozent verzollt werde.

Die Ausfuhren in Richtung USA haben nach Darstellung des EU-Beamten
nicht besonders gelitten. «Man sieht die Auswirkungen der von den USA
verhängten Zölle nicht wirklich», sagte er. Zwar sei es zu
«erheblichen Schwankungen» gekommen - signifikante Auswirkungen seien
mit Ausnahme bestimmter Branchen wie der Automobilindustrie
allerdings ausgeblieben.

Mit Blick auf eine Eskalation bei deutschen Pharmazeutika gibt sich
die EU gelassen. Zwar untersucht die US-Regierung mutmaßlich unfaire
Arzneimittelpreise in Deutschland. Auf politischer Ebene habe die
US-Seite den Europäern allerdings versichert, «dass sie die maximale
Zollgrenze von 15 Prozent respektieren werden», sagte der EU-Beamte. 

Basis der Untersuchungen ist ebenfalls Paragraf 301. Ob die
Untersuchung tatsächlich «ungerechtfertigten, unangemessenen oder
diskriminierenden» Handelspraktiken ans Licht bringt, bleibt
abzuwarten.