EU-Kommission bewertet neue US-Zölle positiv
24.07.2026 13:05
Trumps neue Zölle treffen wieder die Europäische Union. Da sich die
USA aber zumindest an getroffene Vereinbarungen halten, reagiert man
in Brüssel gelassen - zum Teil sogar positiv überrascht.
Brüssel/Washington (dpa) - Die EU-Kommission sieht in den neuen
US-Zöllen keine Verschlechterung der Situation für Deutschland und
andere Mitgliedsländer. Die Europäische Union bewerte es positiv,
dass das Vorgehen im Einklang mit den vereinbarten
Zollverpflichtungen der USA steht, teilte ein Sprecher der Brüsseler
Behörde mit. Alle EU-Exporte profitierten nach den neuen
Zollregelungen entweder von einer günstigeren oder einer
gleichwertigen Behandlung, hieß es von der Kommission weiter.
Das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer hatte zuvor
mitgeteilt, dass ab sofort neue Zölle gegen 60 Handelspartner, auch
auf Waren aus der Europäischen Union erhoben würden. Faktisch
ersetzen sie jene temporären globalen Zölle in Höhe von 10 Prozent,
die US-Präsident Donald Trump mit Ende des gesetzlich erlaubten
Zeitrahmens von 150 Tagen nun nicht mehr erheben darf. Diesmal lautet
die Begründung: angeblich unzureichende Maßnahmen der Handelspartner
gegen Zwangsarbeit.
Eine Argumentation, die Brüssel nicht akzeptiert: «Die EU verfügt
bereits über strenge Vorschriften zum Thema Zwangsarbeit, weshalb wir
die Behauptung, die EU trage zum weltweiten Problem der Zwangsarbeit
bei, entschieden zurückweisen», sagte eine Kommissionssprecherin.
Diese Haltung sei der US-Seite mitgeteilt worden.
EU-Kommission sieht positive Impulse
Konkret wird laut EU-Kommission ein pauschaler Zollsatz von zehn
Prozent für die Europäische Union festgelegt. Zusätzlich würden die
Zollbefreiungen für die Importe aus der EU - wie beispielsweise für
Kork und Diamanten - wieder eingeführt, die zu den bereits
bestehenden Befreiungen für Flugzeuge und Flugzeugteile, Generika und
Wirkstoffe hinzukämen, fügte der Sprecher hinzu. Die Ankündigung
liefere zudem positive Impulse, um an weiteren Zollbefreiungen zu
arbeiten.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich
auf einen Zoll-Deal geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg
abzuwenden. Dabei handelt es sich um das auch als «Turnberry-Deal»
bekannte, bilaterale Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. Die
EU hat ihren Teil der Vereinbarung erfüllt, da die
Zollverpflichtungen hier am 1. Juli 2026 in Kraft getreten sind.
EU-Abgeordneter Lange ist positiv überrascht
Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange, Vorsitzender des
Handelsausschusses im Europaparlament, reagierte auf die
US-Ankündigung erleichtert. «Die konkrete Ausgestaltung der neuen
Zölle auf EU-Produkte ist besser als erwartet und überrascht mich
durchaus positiv», teilte Lange mit. Im Vergleich zum
«Turnberry-Deal» könnte die EU sogar besser gestellt sein.
«Vorsichtiges Durchatmen ist deshalb erlaubt», fügte der deutsche
Politiker hinzu.
