Politikwissenschaftler: EU kann auf neue US-Zölle nicht reagieren

24.07.2026 12:55

Trotz neuer US-Zölle bleibt die EU zurückhaltend. Der Professor für
Geopolitik, Klemens Fischer, erklärt, warum die Europäer abwarten und
auf den Erhalt eines anderen Deals setzen.

Köln/Berlin (dpa) - Die neuen Zölle der USA auch auf Einfuhren aus
der EU sind nach den Worten des Geopolitik-Experten Klemens Fischer
eine weitere Demütigung für die Europäer. «Denn Europa kann darauf

nicht reagieren, ohne wieder einen Handelskrieg auszulösen», sagte
der Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik an der
Universität Köln.

Andererseits ändere sich für die Europäer im Grunde gar nichts, sagte

Fischer unter Verweis auf das als «Turnberry-Deal» bekannte
Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. Danach gilt für die
meisten Importe aus der EU eigentlich weiterhin ein Zoll von bis zu
15 Prozent. 

Auf die neue Herausforderung und die neuen Zölle reagieren die
Europäer Fischer zufolge offensichtlich gar nicht. Denn man hoffe
einfach, innerhalb der 10 bis 15 Prozent Zollgruppe des bisherigen
Deals verbleiben zu können: «Das heißt, Europa ... versucht
handelspolitisch keinen weiteren Stein ins Wasser zu werfen, um den
«Turnberry-Deal» zu erhalten.» 

Zölle mit ungenügenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit begründet

Die Vereinigten Staaten haben neue Zölle gegen 60 Handelspartner
erhoben, darunter auch auf Waren aus der Europäischen Union. Die
Abgaben belaufen sich auf 10 beziehungsweise 12,5 Prozent. Faktisch
ersetzen sie jene temporären globalen Zölle in Höhe von 10 Prozent,
die US-Präsident Donald Trump mit Ende des gesetzlich erlaubten
Zeitrahmens von 150 Tagen nicht mehr erheben darf. Die Begründung für
die neuen Zölle sind angeblich unzureichende Maßnahmen der
Handelspartner gegen Zwangsarbeit. 

Mit Blick auf die neuen Zölle sagte Fischer, die Europäer selbst
kommen aus dieser Zollgruppe erst dann heraus, wenn sie im Dezember
2027 ihr Lieferkettengesetz umgesetzt haben, das jegliche
Produktbeteiligung von Zwangsarbeit verbiete. Trump kann die Zölle
aus Sicht Fischers nicht auslaufen lassen, «denn die Zollpolitik ist
eine seiner Säulen der Außenhandelspolitik».