EU-Kommission gibt grünes Licht für mögliche Boss-Übernahme

28.07.2026 13:17

Seit Wochen läuft der Übernahmepoker um den schwäbischen
Bekleidungshersteller Hugo Boss. Von den Wettbewerbshütern in Brüssel
gibt es nun eine klare Aussage. Wie geht es weiter?

Brüssel (dpa) - Einer Übernahme des deutschen Bekleidungsherstellers
Hugo Boss durch die britische Frasers Group steht nach den
Wettbewerbsregeln der EU nichts entgegen. Die Europäische Kommission
genehmigte die mögliche Übernahme der alleinigen Kontrolle über den
schwäbischen Bekleidungshersteller, wie sie mitteilte. 

Die Brüsseler Behörde kam demnach zu dem Schluss, dass der
angemeldete Zusammenschluss keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken
aufwerfe, da die Unternehmen infolge der geplanten Transaktion nur
begrenzte Marktpositionen innehätten. Die Transaktion betreffe vor
allem die Herstellung und den Einzelhandel mit hochwertiger
Bekleidung, Schuhen und Accessoires.

Boss empfiehlt Aktionären Ablehnung

Anfang des Monats hatten Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss den
Aktionären empfohlen, das Angebot des Großaktionärs Frasers Group
abzulehnen. Der Angebotspreis spiegle den eigenständigen Wert und das
zukünftige Wertschöpfungspotenzial von Hugo Boss nicht angemessen
wider, hieß es.

Seit Mitte Juni versucht die Frasers Group im Zuge eines freiwilligen
öffentlichen Angebots das Ruder bei den Schwaben zu übernehmen. Sie
bieten 38 Euro je Anteilsschein. Die Frasers Group ist ein
Einzelhandelskonglomerat, hinter dem der Unternehmer Mike Ashley
steckt. An Hugo Boss ist die Gruppe mittlerweile mit etwas mehr als
30 Prozent direkt beteiligt. Das Übernahmeangebot wurde bis Mitte
August verlängert.

Boss erwartet Umsatzrückgang

Boss aus Metzingen hat weltweit 20.000 Beschäftigte, davon mehr als
4.400 in Deutschland. Der Modekonzern hat aktuell mit der mauen
Kauflaune seiner Kundinnen und Kunden zu kämpfen. Für das laufende
Jahr erwartet das Management einen währungsbereinigten Umsatzrückgang
im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor
Zinsen und Steuern soll 300 Millionen bis 350 Millionen Euro
erreichen. 2025 wurde ein Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro bei
einem operativen Ergebnis von 391 Millionen Euro verbucht.

Die EU-Kommission kontrolliert Unternehmenszusammenschlüsse, wenn die
beteiligten Firmen bestimmte Umsatzschwellen überschreiten und in
mehreren EU-Staaten tätig sind. Dabei prüft die Kommission, ob der
Zusammenschluss den Wettbewerb erheblich beeinträchtigen könnte.