Experte: Löschflugzeuge sind nicht die Antwort
29.07.2026 15:17
Helfer kämpfen gegen die Flammen in Frankreich und Spanien. Ein
EU-Zentrum koordiniert internationale Hilfe. Was erschwert die
Einsätze? Und warum wirbt eine Expertin für Ziegen?
Brüssel (dpa) - Um großen Bränden wie in Frankreich und Spanien
beizukommen, muss laut Experten der Europäischen Union früh angesetzt
werden. «Es geht nicht darum, dass wir mehr Flugzeuge in dieses oder
jenes Land schicken müssen», sagte Waldbrand-Experte Moises Galan
Santano in Brüssel.
Der Katalane arbeitet im Zentrum für die Koordinierung von
Notfallmaßnahmen (Emergency Response Coordination Centre, ERCC) der
EU. «Manchmal sind die Flugzeuge bereits vor Ort und können trotzdem
nichts tun, weil der Rauch so tief über dem Boden liegt, dass sie
nicht eingesetzt werden können.»
Brandbekämpfung sei wichtig - aber es müsse auch mehr zur Vorbeugung
solcher Feuer getan werden, betonte er. Das brauche Zeit, sagte der
Experte. «Wir müssen uns jetzt darauf konzentrieren.»
Ziegen und Frühwarnsysteme
Maria Zuber, Leiterin der Einheit für Einsätze zur Notfallreaktion,
nannte als vorbeugende Maßnahmen die Investition in Frühwarnsysteme,
Kapazitäten aufzubauen, die Bevölkerung aufzuklären,
Evakuierungspläne vorzubereiten sowie die Bewirtschaftung von Wäldern
und landwirtschaftlichen Flächen zu verändern. Es könne sogar darum
gehen, Ziegen einzusetzen, die das trockene Pflanzenmaterial fressen,
das als Brennstoff für Feuer dient.
«Die größte Herausforderung bei der Prävention besteht darin, die
Denkweise der Menschen zu verändern. Oft sind es gerade die kleinen,
unscheinbaren Maßnahmen, die langfristig den größten Unterschied
machen», sagte Zuber. Es werde dauern, bis man Ergebnisse sehen
werde. «Aber wir müssen heute investieren, damit wir in fünf Jahren -
wenn sich der Klimawandel weiter verschärft hat - deutlich besser
vorbereitet sind.»
Das macht die EU
Die EU koordiniert aus dem Zentrum heraus ihre gemeinsame Reaktion
auf Krisen. Mitarbeiter bewerten fortlaufend die Lage. Jedes Land
weltweit, das von einer Katastrophe betroffen ist, kann sich an das
Zentrum wenden und um Hilfe bitten, wie das ERCC erklärt. Andere
Staaten können ihre Unterstützung anbieten, etwa spezialisierte
Ausrüstung, Hilfsgüter oder Fachwissen.
Die EU übernimmt bis zu 75 Prozent der operativen Kosten und kann
außerdem auf eine eigene Reserve an Ressourcen (rescEU)
zurückgreifen. Insgesamt stehen über diese an verschiedenen
Standorten in Europa 22 Löschflugzeuge und 5 Hubschrauber zur
Verfügung. Ein Teil davon sei derzeit nicht im Einsatz, damit man
jederzeit auch auf neue Brände reagieren könne, sagte eine
Vertreterin. Unabhängig davon können EU-Staaten auch spontane
Hilfsangebote machen.
Experte: Flugzeuge sind nicht die Antwort
Zur Situation in Frankreich sagte Brandexperte Galan Santano zudem,
dass Einsatzkräfte erschöpft seien, da sie mit mehreren Bränden im
Land zu kämpfen hatten. Nach zwei ruhigeren Tagen Anfang der Woche
sei das Brandgebiet auf rund 42.000 Hektar angewachsen. Dort alles zu
löschen, brauche Zeit.
Die Lage in Spanien und Portugal werde sich voraussichtlich noch
mindestens sechs Tage halten. Dass die großen Feuer auch
Ballungsräume bedrohen, erschwere die Lage. «Das stellt die
Einsatzkräfte vor ein Problem: Sie müssen die Bevölkerung schützen
und können sich deshalb nicht vollständig auf die Brandbekämpfung
konzentrieren.»
