Hitzewelle und trockener Wind treiben Brände in Südeuropa an

29.07.2026 18:15

Nach Frankreich und Spanien treffen ausufernde Waldbrände nun die
Urlaubsländer Türkei und Griechenland. Extreme Hitze und Trockenheit
begünstigen die Feuer, die Menschen aus ihren Häusern treiben.

Bordeaux/Madrid/Antalya/Rethymnon (dpa) - Von einer Hitzewelle und
kräftigem Wind angeheizte Brände greifen in Südeuropa um sich und
stellen Feuerwehrkräfte und die Bevölkerung vor eine extreme
Herausforderung. In Frankreich und Spanien konzentrierten sich die
Einsatzkräfte darauf, das Wiederaufflammen der einigermaßen
eingegrenzten Waldbrände zu verhindern. Zehntausende Evakuierte
durften dort bereits in ihre Häuser zurückkehren. In der Türkei und
auf der griechischen Insel Kreta allerdings flammten neue Brände
unkontrolliert auf und Menschen mussten evakuiert werden. 

An der französischen Atlantikküste setzt die Feuerwehr mit Blick auf
die große Trockenheit und Wind alles daran, eine erneute Ausbreitung
der Feuer zu verhindern. Die Sorge der Einsatzkräfte ist, dass bei
Temperaturen von bis zu 41 Grad und niedriger Luftfeuchtigkeit
Windstöße mit einer Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern die
Flammen wieder unkontrolliert anfachen und in das Gelände treiben,
teilte die Präfektur in Bordeaux mit. Ab Donnerstag werden Unwetter
erwartet.

Frankreichs Feuerwehr bekämpft neue Brandherde

In der Nacht und am Morgen seien die Einsatzkräfte gegen Brandherde
vorgegangen, die in dem von dem Feuer bereits zuvor betroffenen
Gelände aufflammten. Rund 2.200 Feuerwehrleute sind weiterhin mit der
Bekämpfung der Brände beschäftigt, die 42.000 Hektar Fläche (420
Quadratkilometer, eine Fläche so groß wie der Stadtstaat Bremen) in
Mitleidenschaft gezogen haben. Mit Stand Montagnachmittag sprach das
Pariser Innenministerium von frankreichweit 116.085 Hektar durch die
Waldbrände zerstörter Fläche.

Inzwischen wurden nach Angaben der Präfektur 126 Wehrleute verletzt.
Von den ursprünglich evakuierten 224.000 Menschen in der Region,
darunter zahlreiche Touristen, konnten am Dienstagabend zahlreiche
wieder nach Hause zurückkehren. Die Präfektur erlaubte den Bewohnern
von drei vorsorglich evakuierten Orten mit rund 60.000 Einwohner, die
von dem Feuer aber verschont blieben, die Rückkehr. 

Zehntausende Evakuierte in Spanien kehren zurück

In Spanien kehren unterdessen Zehntausende in den Waldbrandgebieten
rund um Madrid in ihre Häuser zurück. Von Evakuierungen oder
Ausgangsbeschränkungen sind aber noch rund 40.000 Menschen betroffen.
Angesichts des Beginns der vierten Hitzewelle des Sommers, die bis
Sonntag anhalten soll und in den kommenden Tagen die Löscharbeiten
erschweren dürfte, warnen die Behörden jedoch weiterhin vor
verfrühter Entwarnung. 

«Die Lage entwickelt sich günstig. Wir müssen aber extrem wachsam
bleiben, die nächsten zwölf Stunden werden entscheidend sein», sagte

Ministerpräsident Pedro Sánchez. Bei der Bekämpfung der verheerenden

Waldbrände im Westen der Region Madrid sowie in den angrenzenden
Provinzen Ávila und Toledo konnten die Einsatzkräfte weitere Erfolge
erzielen, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska. 

Unterstützung bei den Löscheinsätzen erhalten Spanien und Frankreich

unterdessen aus anderen europäischen Ländern. Während Rumänien und

Griechenland ihre Einsätze verlängerten, käme ab Samstag weitere
Hilfe aus Polen, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen. Außerdem kündigte Belgien das Entsenden von Wehrleuten und
Löschfahrzeugen nach Frankreich an.

Zwei Wehrmänner sterben in Feuerfront auf Ferieninsel Kreta

Währenddessen kamen bei einem Waldbrand auf Kreta zwei Feuerwehrleute
ums Leben. Der Brand wütet seit den Mittagsstunden in der Region der
Ortschaft Nea Krya Vrysi. Die Region liegt im gebirgigen Hinterland
im südlichen Teil der Insel. Die beiden Einsatzkräfte seien in ihrem
Fahrzeug von den Flammen eingeschlossen worden, berichtete der Sender
ERTNews.

Die Feuerfront soll mittlerweile rund 15 Kilometer lang sein. Wegen
der raschen Ausbreitung der Flammen und starker Winde wurden bereits
fünf Ortschaften evakuiert. Mehr als 100 Feuerwehrkräfte sind im
Einsatz. Vier Löschhubschrauber und vier Löschflugzeuge mussten
jedoch wieder abdrehen, weil der Wind in der Region zu stark war. 

Serie von Bränden hält Türkei in Atem - Antalya betroffen

Auch im südtürkischen Antalya bekämpft die Feuerwehr seit Dienstag
mehrere Brände in der Touristenregion, von denen ein Großteil
gelöscht werden konnte, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur
Anadolu. Weil die Brände Wohngebiete erreichten, wurden vorsorglich
einige Bewohner evakuiert. Einige der im Zuge der Evakuierung
geräumten Häuser brannten nieder. Wie die örtlichen Behörden
mitteilten, herrschte in der Region starker Wind und die Gefahr
bestehe, dass sich das Feuer ausbreite.

Die angrenzenden Tourismuszentren Adrasan und Olympos wurden aufgrund
des Feuers für den Verkehr gesperrt. Die Einsatzkräfte vor Ort sind
derzeit dabei, das Feuer aus der Luft und vom Boden aus unter
Kontrolle zu bringen. Menschen kamen bisher nicht zu Schaden.

Extreme Hitze und Trockenheit trifft Türkei

Der Gouverneur von Antalya, Hulusi Sahin, erklärte als Gründe für die

Brände extreme Hitze, starke Winde und trockene Luft. Er geht davon
aus, dass das Wetter auch die nächsten Tage anhalten werde.
Ungewöhnlich sei, dass kein kühlender Wind aus dem Norden, sondern
ein trockener Wind vom Meer komme, der keine Feuchtigkeit mit sich
bringe. 

Außerdem wurden Brände in den Provinzen Balikesir, Kütahya, Canakkale

und Yalova gemeldet, die im Westen der Türkei südlich von Istanbul
liegen. Ein weiterer Brand in der Provinz Mugla im Südwesten der
Türkei wird derzeit ebenfalls bekämpft.