EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories Von Christoph Dernbach, dpa

30.07.2026 13:11

Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit - wer setzt sich
im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits
und Co. kämpfen um den Zuschlag für die neuen Gigafactories.

Brüssel (dpa) - Die Europäische Union hat einen wichtigen Schritt im
globalen Wettlauf um die Künstliche Intelligenz unternommen. Die
EU-Kommission eröffnete heute offiziell das Bietverfahren für den
Aufbau von bis zu sieben sogenannten AI-Gigafactories. Die Initiative
für diese neuen riesigen Rechenzentren ist Teil der Strategie, die
europäische KI-Infrastruktur auszubauen und den Zugang zu
Hochleistungsrechnern zu verbessern.

Das ambitionierte Vorhaben bündelt bis zu zehn Milliarden Euro an
öffentlichen Mitteln der EU sowie der teilnehmenden Mitgliedstaaten.
Durch diese öffentlichen Anschubfinanzierungen sollen wiederum
mindestens 20 Milliarden Euro an privaten Investitionen ausgelöst
werden, sodass sich das Gesamtvolumen des Programms auf über 30
Milliarden Euro beläuft.

Europäische Alternative zu AWS, Microsoft und Google

Ziel der Initiative ist es, Europa aus der Abhängigkeit von
US-amerikanischen Hyperscalern wie Amazon (AWS), Microsoft und Google
zu befreien. Die EU möchte dabei eine eigene, souveräne Infrastruktur
für den Aufbau fortschrittlichster KI-Modelle etablieren. Die neuen
Superrechenzentren sollen Start-ups, dem Mittelstand, der Industrie
sowie der Wissenschaft enorm skalierbare Rechenkapazitäten für das
Training und das Fine-Tuning von Algorithmen bereitstellen.

EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen sprach von einem «Meilenstein».
«Der Zugang zu Rechenleistung im Gigawatt-Maßstab ist für Europa eine

strategische Notwendigkeit, während sich die KI-Entwicklung
beschleunigt.»

Wie viel Geld fließt nach Deutschland? 

Deutschland möchte von der großen Fördersumme ein angemessenes Stüc
k
abhaben. Erste Pläne, wichtige deutsche Tech-Unternehmen gemeinsam in
einer Art «Deutschland AG» antreten zu lassen, scheiterten jedoch,
auch weil SAP und Siemens sich bei ihren Interessensbekundungen stark
zurückgehalten hatten.

 Nun treten verschiedene Player aus Deutschland getrennt voneinander
an und stehen damit auch im Wettbewerb untereinander. Dazu gehören
die Deutsche Telekom, Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der
Schwarz-Gruppe (Mutterkonzern von Lidl und Kaufland), der
Cloud-Anbieter Ionos, der zusammen mit dem Baukonzern Hochtief
auftritt, sowie verschiedene kleinere und regionale Akteure wie
Impossible Cloud aus Hamburg oder Blue Swan aus Bayern.

Zwei Leistungsklassen

Die Vergabe der Mittel erfolgt über die europäische
Supercomputing-Initiative «EuroHPC Joint Undertaking» (EuroHPC JU).
Das Beschaffungsverfahren unterteilt sich dabei in zwei
Förderklassen. Die erste Förderklasse sieht die Unterstützung von bis

zu vier Projekten vor. In einer ersten Phase können dafür jeweils bis
zu 100 Millionen Euro an EU-Mitteln fließen, gefolgt von weiteren bis
zu 400 Millionen Euro in Phase zwei. Voraussetzung ist, dass die
ausgewählten Standorte in Phase zwei mindestens das Dreifache der
Prozessorkapazität der aktuell leistungsfähigsten europäischen
KI-Fabrik bereitstellen.

Die zweite Förderklasse richtet sich an bis zu drei noch größere
Infrastrukturprojekte. Hier sind bis zu 200 Millionen Euro
EU-Förderung pro Projekt in der ersten Phase und bis zu 800 Millionen
Euro in der zweiten Phase vorgesehen. Diese Standorte müssen in der
zweiten Phase die vierfache Rechenkapazität der heutigen
Top-Einrichtung in Europa erreichen.

Teilnahme der Mitgliedstaaten und Zeitplan

Achtzehn EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Frankreich,
Italien, Spanien und Schweden, haben eine gemeinsame Beschaffung mit
der EuroHPC JU vereinbart. Die beteiligten Länder verpflichten sich,
die bereitgestellten EU-Fördergelder durch nationale Mittel zu
ergänzen. Bewerben können sich Konsortien oder Zweckgesellschaften,
die private Unternehmen, öffentliche Stellen und Investoren
zusammenbringen. Gigafactories können wahlweise an einem einzelnen
Standort oder als verteiltes, grenzüberschreitendes Netzwerk
errichtet werden.

Die Frist für die Einreichung von Angeboten endet am 12. November
2026. Die Vergabeentscheidungen sollen Anfang 2027 fallen, sodass die
Bauarbeiten noch im selben Jahr beginnen können.