Fast alle Migranten verlassen Ceuta - EU verarbeitet Schock

01.08.2026 11:21

In der Nordafrika-Exklave Ceuta hat sich die Lage nach dem Ansturm
Zehntausender Menschen entspannt. Doch die Zahl der Toten steigt -
und die Suche im Meer geht weiter.

Madrid/Ceuta/Brüssel/Rom (dpa) - Nach dem Ansturm Zehntausender
Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika sind die
meisten Menschen nach Angaben der spanischen Regierung nach Marokko
zurückgekehrt. Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine
Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung hätten die
Menschen enttäuscht und freiwillig die Rückreise angetreten,
berichtete die Zeitung «El País». Die Zahl der Toten stieg auf 67.
Die Einsatzkräfte suchten auch am Vormittag weiter das Meer ab.

Die EU beginnt erst, den Schock zu verarbeiten. Heute wollen sich
Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die
Entwicklungen der vergangenen Tage austauschen, wie ein Sprecher der
irischen Ratspräsidentschaft mitteilte. Es wird nicht erwartet, dass
die Öffentlichkeit nach den Gesprächen über Inhalte informiert wird.

Am Montag kommen die Botschafter der EU-Staaten zusammen, um die
Entwicklungen zu bewerten und die weitere Koordinierung zu
erleichtern.

Neben den Ankünften in Ceuta der letzten Tage und der Zahl der nach
Marokko zurückgekehrten Menschen werde es heute auch um die
Unterstützung der EU für Spanien und die diplomatischen Bemühungen
mit Marokko gehen, sagte der Sprecher. Solche Krisentreffen sollen
bei der Koordinierung politischer Entscheidungen helfen. An ihnen
nehmen auch Vertreter der EU-Institutionen teil.

EU-Kommissar versichert: Kein Migrant ist aufs Festland gekommen

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner versicherte nach einem
Telefonat mit Spaniens Außenminister José Manuel Albares: «Keine
einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.» Nach
Albares Angaben kehrten nahezu alle der mindestens 50.000 Menschen,
die nach Ceuta gelangt waren, nach Marokko zurück. Beim Überqueren
der Grenze übers Meer kamen mindestens 67 Menschen ums Leben,
berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die
lokale Vertretung des spanischen Innenministeriums.

Trotz fehlender Aussichten auf Aufnahme oder Weiterreise versuchten
Medienberichten zufolge am Freitagabend Hunderte Menschen, in die
beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen.
Insbesondere mit Blick auf Ceuta war dies aber eine erhebliche
Entspannung der Lage. Spanische Soldaten verhinderten den Zugang vom
Meer zum Strand. In den vergangenen Tagen hatten sich viele Menschen
schwimmend Zugang zu Ceuta verschafft. 

In der Exklave Melilla kontrollierten in der Nacht zahlreiche
Streifenwagen der Guardia Civil den Grenzverlauf. Unbekannt blieb,
wie viele Menschen versuchten, den dortigen Grenzzaun zu überqueren
oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von
«mehreren Versuchen». 

Am Abend war es an der Grenze zwischen Marokko und Melilla laut dem
staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten
gekommen. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte
geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten.

Spanien: Solidarität ist freiwillig, europäische Verträge nicht

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger
EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu
auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen - und Europa
nicht zu spalten. «Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig»,
schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge
sei es jedoch nicht.

Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das
Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber
Spanien vorübergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder
Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden. 

Was ist der Schengen-Raum?

Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen
grundsätzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Dazu gehören
insgesamt 29 Länder, darunter EU-Staaten wie Deutschland und
Frankreich, aber auch Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Norwegen,
Island und Liechtenstein. Ceuta und Melilla gehören nicht zum
Schengen-Raum. Ein dauerhafter Ausschluss eines Landes aus dem
Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln nicht
vorgesehen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit
Spanien, ließ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze
verstärken. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische
Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu
bekommen. «Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist
entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration», betonte der
CDU-Politiker.

Ceuta ist kleiner als der Frankfurter Flughafen

Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von
nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter
Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in
Ceuta auf den Straßen übernachtet.