Wasserzeichen für KI-Inhalte - Was ändert sich im Netz?
02.08.2026 01:48
Deepfakes, Chatbots und Podcasts: KI-Inhalte müssen in der EU nun
klar gekennzeichnet werden. Die Brüsseler Behörde hat konkrete
Vorstellungen, wie das aussehen soll - ansonsten sind Strafen
möglich.
Brüssel (dpa) - Beim Surfen und Scrollen könnten Nutzer in der EU
jetzt häufiger auf KI-Wasserzeichen stoßen. Denn für manche Anbieter
Künstlicher Intelligenz gelten seit heute (Sonntag) strengere Regeln,
etwa bei der Kennzeichnung von generierten Bildern, Videos oder auch
Texten, wie aus einer Mitteilung der EU-Kommission hervorgeht. Zudem
müssen Nutzer demnach darüber informiert werden, dass sie mit einer
KI interagieren, also etwa mit einem Chatbot schreiben und nicht mit
einem Menschen.
Was gilt für die KI-Anbieter genau und welche Strafen drohen bei
Verstößen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Wie stellt sich die EU Wasserzeichen bei Deepfakes vor?
Die Brüsseler Behörde hatte vor wenigen Wochen einen Praxisleitfaden
veröffentlicht, wie die Markierungen je nach Medium regelkonform
aussehen könnten. Die gelten besonders für Deepfakes, also täuschend
echt wirkende Inhalte, die zum Teil zu manipulativen Zwecken
eingesetzt werden. In Deepfake-Videos sollten die Kennzeichnungen
demnach etwa direkt zu Beginn erscheinen, dort bleiben oder zumindest
in regelmäßigen Abständen wieder eingeblendet werden.
Empfohlen werden auch interaktive Elemente, etwa bei manipulierten
Bildern. Hier könnte - zusätzlich zu einer dauerhaften Markierung -
auch eine Einblendung auftauchen, wenn man etwa mit der Maus über ein
von KI verfälschtes Gesicht fährt.
Was gilt für Podcasts und Texte?
Bei Audiodateien, etwa KI-generierten Podcasts, soll es gleich zu
Beginn einen entsprechenden Hinweis in gesprochener Sprache geben.
Für Texte sehen die Vorschläge KI-Etiketten beispielsweise über dem
Text oder nahe der Überschrift vor. Grundsätzlich sollen bei der
Erstellung von KI-Inhalten auch maschinenlesbare Fingerabdrücke in
der Datei hinterlassen werden, damit andere Systeme sie zuverlässig
als künstlich generiert erkennen können.
Für wen gelten die strengeren Pflichten?
Die neuen Regeln treten an diesem Sonntag für alle KI-Anbieter in
Kraft, die ihre Modelle nun neu auf den Markt bringen. Für die
Anbieter von beliebten und bereits existierenden Modellen wie
ChatGPT, Gemini oder Claude sollen die Regeln dann spätestens ab
Dezember 2026 gelten. Die Pflichten gelten nicht für Privatpersonen,
es sei denn sie nutzen die KI zu beruflichen Zwecken.
Welche neuen KI-Regeln gibt es noch?
Zudem prüft das europäische KI-Amt in Brüssel nun, ob große Modelle
ausreichend kontrolliert werden und keine Cyberangriffe auf eigene
Faust ausführen. Dafür müssen sie entsprechende
Sicherheitsvorkehrungen treffen und etwaige Zwischenfälle sofort der
EU melden.
Das ist kein theoretisches Szenario, wie zwei prominente Fälle aus
der jüngsten Vergangenheit zeigen: Sowohl der ChatGPT-Entwickler
OpenAI als auch der Claude-Entwickler Anthropic mussten einräumen,
dass ihre Software in Testläufen ungeplant andere Unternehmen
angegriffen hatte.
Wie hoch sind die Strafen bei Verstößen?
Bei Verstößen gegen das KI-Gesetz kann eine empfindliche Strafe
fällig werden. Bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des
weltweiten Jahresumsatzes eines Konzerns sind etwa bei verbotenen
KI-Praktiken möglich, je nachdem welcher Betrag höher ist.
Bei der Missachtung von Transparenzpflichten oder mangelnden
Sicherheitsvorkehrungen sind dagegen bis zu 15 Millionen Euro oder 3
Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich - wieder abhängig
davon, welcher Betrag höher ist.
