EVP-Chef Weber zu Ceuta-Krise: Spanien muss Kurs ändern

04.08.2026 04:00

Heute wollen die EU-Innenminister über die Folgen der Migrationskrise
in Ceuta beraten. Spanien steht unter Druck.

Brüssel/Berlin (dpa) - Kurz vor den Beratungen der EU-Innenminister
zur Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta erhöht sich der
Druck auf Madrid. Der CSU-Europapolitiker und Chef der Europäischen
Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), forderte Spaniens Regierung
in der «Bild» zu einer Kehrtwende in der Migrationspolitik auf. Die
EU-Innenminister wollen heute Vormittag (10.00 Uhr) per Videoschalte
beraten, wie die EU ihre Außengrenzen besser schützen kann. 

In der vergangenen Woche hatten vorübergehend bis zu 60.000 Menschen
von Marokko aus die spanische Exklave erreicht. Die Mehrheit der
Staats- und Regierungschefs der EU kritisierte daraufhin die
spanische Migrationspolitik. Spaniens Regierung warf den anderen
Mitgliedsländern wiederum vor, die Krise politisch auszuschlachten.
Der weitaus größte Teil der Migranten ist nach Angaben der
Zentralregierung in Madrid inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. 

Die Zahl der verbliebenen Migranten wird auf rund 2.500 beziffert.
Besonders angespannt bleibt die Situation bei unbegleiteten
Minderjährigen. Gleichzeitig dauern in Ceuta die Unterbringung und
Rückführung verbliebener Migranten sowie die Suche nach weiteren
Todesopfern an. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid wurden
bislang 72 Leichen geborgen. 

Österreichs Innenminister: Asylverfahren auslagern

Weber sagte der «Bild»: «Spanien muss seinen Kurs ändern.» Die br
eite
Unterstützung des Protests gegen die Regierung von Premierminister
Pedro Sánchez und dessen Alleingänge belegten, dass «die linke
Sánchez-Regierung isoliert» sei. Weber warf Sánchez Wahlkampf-Kalkü
l
vor und sagte: «Ceuta zeigt uns auch, dass eine ungesteuerte
Zuwanderung auch die Zahl der Todesopfer erhöht. Niemand hätte hier
sterben müssen.»

Österreichs Innenminister Gerhard Karner drängte in der «Welt»
darauf, die Bearbeitung von Asylverfahren künftig in Staaten
außerhalb der EU auszulagern. «Die rechtlichen Möglichkeiten dazu
wurden mit dem EU-Asylpakt geschaffen», sagte er. Den Worten müssten
nun Taten folgen. «Das Ziel ist dabei: Bilder, wie sie in den letzten
Tagen von Ceuta aus um die Welt gingen und Tote im Mittelmeer zu
verhindern.»

Derweil schloss der Vorsitzende des Parlamentarischen
Kontrollgremiums (PKGr) im Bundestag zur Beaufsichtigung der
Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU), einen hybriden Angriff auf die
EU als Ursache für den Ansturm von Migranten nicht aus. «Eine Ursache
könnten die Spannungen zwischen Spanien und Marokko sein, auf die
Marokko jetzt wie bereits im Jahr 2021 durch den gesteuerten Ansturm
reagiert hat», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Die Regierung in Madrid wies Vorwürfe zurück, sie habe Warnungen des
Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert. Man habe keine
Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses
Ausmaßes gewarnt hätten, hieß es. Der Sprecher der oppositionellen
konservativen Volkspartei (PP), Miguel Tellado, hatte gesagt, es sei
kaum vorstellbar, dass der CNI von der bevorstehenden «Menschenwelle»
nichts gewusst habe. 

EU-Kommissar wirbt für geeinte EU

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sagte der Deutschen
Presse-Agentur, die Ereignisse der vergangenen Woche seien ein
Härtetest für die Sicherheit der europäischen Außengrenzen gewesen,

den Europa fürs Erste bestanden habe. Niemand sei in den
Schengen-Raum gelangt. «Jetzt kommt es darauf an, dass die EU geeint
handelt und die richtigen Schlüsse aus diesen Ereignissen zieht»,
sagte der österreichische Politiker.

An der Videokonferenz nimmt auch Bundesinnenminister Alexander
Dobrindt (CSU) teil. Die EU-Kommission hatte vor dem Treffen zum
Zusammenhalt aufgerufen und ist bemüht, keine Zweifel an dem
EU-Migrationssystem aufkommen zu lassen, das erst vor gut sieben
Wochen in Kraft trat.