Madrid erhöht Zahl der Ceuta-Ankömmlinge auf 72.000
04.08.2026 14:51
Ceuta steht vor einer Bewährungsprobe: Hunderte unbegleitete
Minderjährige brauchen nach dem Migrantenansturm neue Unterkünfte.
Die EU lobt Spaniens schnelle Reaktion, doch die Kritik ebbt nicht
ab.
Madrid (dpa) - Insgesamt rund 72.000 Migranten sind nach neuen
Regierungsangaben aus Madrid vergangene Woche irregulär in die
Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt. Rund 70.000 von ihnen seien
inzwischen nach Marokko zurückgekehrt, sagte der spanische
Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Journalisten. Nach der
Bergung von drei weiteren Leichen sei die Zahl der Todesopfer auf 75
gestiegen. Bisher lag diese bei 72.
Mit den neuen Zahlen korrigierte die spanische Regierung ihre
bisherigen Angaben zur Zahl der Menschen, die bei dem beispiellosen
Ansturm vor allem am Donnerstag nach Ceuta gelangt waren, deutlich
nach oben. Bislang war sie von rund 50.000 Ankömmlingen ausgegangen.
Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas hatte die Zahl zuletzt auf
bis zu 80.000 geschätzt.
Regierung weist Kritik und Vorwürfe zurück
Grande-Marlaska sprach nach der Videokonferenz der EU-Innenminister
von einer «absolut konstruktiven» Sitzung. Die Mitgliedstaaten der
Union hätten die «umgehende und wirksame Reaktion» der spanischen
Behörden auf die Migrationskrise anerkannt. Zudem sei deutlich
geworden, dass Ceuta als Außengrenze der Europäischen Union
besonderen Schutz benötige und deren Sicherung eine gemeinsame
europäische Aufgabe sei.
Der Innenminister der linken Regierung von Ministerpräsident Pedro
Sánchez hob erneut die Zusammenarbeit mit Marokko hervor. Beide
Länder hätten bereits vor dem 30. Juli und auch danach eng
zusammengearbeitet, um eine humanitäre Tragödie zu verhindern sowie
die spanische und europäische Außengrenze zu schützen. Diese
Kooperation habe die rasche Rückkehr der meisten Menschen ermöglicht,
die irregulär nach Spanien eingereist seien.
Aufnahmesystem für Minderjährige überlastet
Der Migrantenandrang hatte Ende vergangener Woche europaweit eine
Debatte über den Schutz der EU-Außengrenzen ausgelöst. Madrid war von
den Regierungen einiger EU-Länder kritisiert und von der Opposition
im Land scharf attackiert worden. Unter anderem hieß es, die
Regierung habe Warnungen des Geheimdienstes über einen bevorstehenden
Ansturm ignoriert. Nach anderen Ministern wies auch Grande-Marlaska
diesen Vorwurf zurück.
Besonders angespannt bleibt die Situation bei den in die Exklave
gekommenen unbegleiteten Minderjährigen. Ceuta betreut seit dem
Ansturm nach Angaben der Regionalregierung mindestens 862 Kinder und
Jugendliche, obwohl regulär nur 29 Plätze zur Verfügung stehen.
Deshalb werden zusätzliche Unterkünfte in umfunktionierten Gebäuden
eingerichtet. In Spanien würden die Grundrechte von Minderjährigen
respektiert, sagte Grande-Marlaska. «Das gehört zu unseren
wichtigsten Verpflichtungen und Prioritäten.»
