Hitze in Europa: Ärzte dringen auf verbindliche Maßnahmen

06.08.2026 04:30

Die extreme Hitze in Europa führt zu Übersterblichkeit, allein in
Deutschland sterben Tausende Menschen infolge hoher Temperaturen.
Ärzte und andere Experten schlagen Alarm - und fordern ein Handeln.

Brüssel (dpa) - Angesichts der jüngsten Hitzewellen mit Tausenden
Toten fordern die Bundesärztekammer und rund 80 weitere europäische
Gesundheitsorganisationen deutlich mehr Anstrengung von der EU. So
müsse die Erklärung des Klimanotstands in verbindliche
Verpflichtungen und extreme Hitze als ernsthafte grenzüberschreitende
Gesundheitsgefahr anerkannt werden, heißt es in einer gemeinsamen
Erklärung. 

Weiter fordern die Unterzeichner unter anderem einen Europäischen
Hitzeschutzplan, unterstützt durch einen Notfall-Anpassungsfonds.
Damit sollen beispielsweise die Hitzeüberwachung und
Gesundheitseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und
Schulen klimafest gemacht werden. Die Lücke im europäischen
Arbeitsschutz bei Hitze müsse durch verbindliche, regional angepasste
Temperaturschwellenwerte geschlossen werden. Außerdem sollen etwa
sichere Innentemperaturen für vulnerable Menschen im Bestandswohnraum
gewährleistet werden.

Trotz Aktionsplänen steigt hitzebedingte Sterblichkeit 

Trotz bestehender nationaler Hitze-Gesundheits-Aktionspläne,
Frühwarnsysteme und einer EU-Anpassungsstrategie steige die
hitzebedingte Sterblichkeit weiter, kritisieren die Autoren. «Unter
den Hitzekuppeln des Juni 2026, dem heißesten je in Westeuropa
gemessenen Juni, wurden allein in der Spitzenwoche der Hitzewelle
mehrere Tausend Übersterblichkeitsfälle registriert - Tendenz weiter
steigend.» Die Opfer seien überwiegend ältere Menschen,
überproportional Frauen.

Auch im Freien arbeitende Menschen sowie Menschen in Armut und in
schlecht angepassten Wohnungen als auch in Pflege- und
Gesundheitseinrichtungen seien von gesundheitlichen Folgen betroffen,
zudem förderten Waldbrände weitere Todesopfer und hüllten Städte in

Rauch. «Dessen Feinstaubpartikel werden noch lange nach dem Erlöschen
der Flammen weitere Todesfälle verursachen», warnen die
Unterzeichner, zu denen auch der deutsche Hausärztinnen- und
Hausärzteverband sowie Klug, die deutsche Allianz Klimawandel und
Gesundheit, gehören.

Fast 10.000 Hitzetote in Deutschland

Die Unterzeichner fordern, dass bei dem European Climate Resilience
Framework, ein Klima-Widerstandsfähigkeitsplan, der derzeit von der
EU-Kommission erarbeitet werde, Gesundheit ins Zentrum zu stellen und
rechtlich verbindliche Anpassungsverpflichtungen zu schaffen. Auch im
Gesundheitssektor müsse etwas passieren: «Die Unterzeichner
verpflichten sich, ihre eigenen Krankenhäuser, Praxen und
Pflegeeinrichtungen klimaresilient und klimaneutral zu gestalten,
Patientinnen, Patienten und Personal vor Hitze zu schützen und den
Klimawandel in jede klinische und pflegerische Entscheidung
einzubeziehen.»

In Deutschland starben in diesem Jahr nach Schätzungen des Robert
Koch-Instituts bereits fast 10.000 Menschen wegen hoher Temperaturen
(Stand: Mitte Juli). Das ist mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr
seit 2016. An diesem Donnerstag veröffentlicht das RKI neue Zahlen zu
Hitzetoten.