EU-Kommissarin gibt Tech-Riesen Mitschuld an Migrationskrise in Ceuta
08.08.2026 06:53
Wie viel Macht haben Amazon, Google, Meta und Apple über unser Leben?
Zu viel, lautet das Ergebnis einer Umfrage. Einige Branchenriesen
werden für das jüngste Chaos in Ceuta mitverantwortlich gemacht.
Brüssel/Berlin (dpa) - EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen hat
Tech-Unternehmen wie Meta und TikTok indirekt eine Mitschuld an der
jüngsten Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta gegeben. Die
Finnin deutete nach einem Treffen mit Vertretern der beiden Firmen
an, diese hätten nicht genug gegen Falschinformationen getan, die auf
ihren Plattformen zirkulieren.
Vergangene Woche hatten Zehntausende Menschen von Marokko aus die
Grenze zu Ceuta überwunden und mit ihrem Ansturm auf die kleine Stadt
in Nordafrika einen politischen Streit über den Schutz der
EU-Außengrenzen ausgelöst. Eine wichtige Rolle spielten offenbar auch
soziale Netzwerke: Zahlreiche Migranten berichteten, Videos und
Nachrichten auf Plattformen wie TikTok hätten suggeriert, dass die
normalerweise streng gesicherte Grenze plötzlich offen sei. Rasch
habe sich die Hoffnung verbreitet, in Ceuta würden Unterkünfte
bereitstehen und Weiterreisen aufs spanische Festland winken.
Um auf vergleichbare Entwicklungen besser vorbereitet zu sein, will
die EU beliebte soziale Netzwerke künftig aufmerksamer beobachten.
Nach einer Sondersitzung der Mitgliedstaaten hieß es diese Woche, um
das gemeinsame Lagebild zu verbessern, könnten Frühwarnsysteme
weiterentwickelt werden - etwa durch die Überwachung sozialer Medien.
Vor allem in Krisensituationen müssten die Plattformen entschlossen
handeln, «um die Integrität des digitalen Raums zu bewahren», schrieb
Virkkunen nach dem gestrigen Treffen mit Vertretern von TikTok und
dem Facebook-Konzern Meta auf X. «Es braucht mehr Aufsicht,
Kooperationen mit Faktenprüfern müssen ausgebaut werden.»
Mehrheit hält US-Techkonzerne für zu einflussreich
Ohnehin hält eine deutliche Mehrheit der Deutschen laut einer Umfrage
die Wirkungsmacht der großen US-Technologiekonzerne für zu groß. 66
Prozent der Befragten meinen, dass Unternehmen wie Meta, Amazon,
Google und Apple mittlerweile zu viel Einfluss in Deutschland haben,
wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag
der «Welt am Sonntag» zeigt. 18 Prozent widersprachen dieser Aussage,
17 Prozent waren unentschlossen.
Als Gründe nannten die Befragten vor allem Bedenken wegen wachsender
Abhängigkeit Deutschlands von den USA. Auch die monopolartigen
Strukturen der Tech-Konzerne, Risiken für Datenschutz und
Privatsphäre sowie Gefahren durch den Einsatz von Algorithmen und die
Beeinflussung der öffentlichen Meinung bereiten demnach vielen
Sorgen.
Für die Erhebung befragte YouGov insgesamt 2.411 Menschen im Zeitraum
zwischen dem 10. und 13. Juli.
