Selenskyj und Vucic: Kooperation trotz Moskau-Nähe Belgrads

08.08.2026 14:37

Premiere in Belgrad: Erstmals besucht der ukrainische Präsident
Selenskyj Serbien, obwohl dessen Regierung bisher Nähe zu Moskau
gezeigt hat. Beide Länder verbindet das Streben in die EU.

Belgrad (dpa) - Serbiens Regierung gilt als moskautreu, die Ukraine
wird von Russland mit Krieg überzogen - trotzdem möchten beide Länder

enger zusammenarbeiten. Darüber sprach der serbische Präsident
Alexander Vucic mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj,
der erstmals Belgrad besuchte. Es ging auch um den künftigen Weg
beider Länder in die EU.

Eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine war kein Thema, wie
Vucic bei einer Pressekonferenz betonte. Er verneinte, dass Serbien
zusammen mit der Ukraine Drohnen bauen wolle. Eine derartige
Kooperation sei allerdings mit Israel geplant, sagte Vucic. Vertreter
der beider Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung zur
Kooperation in Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit. Ein
Freihandelsabkommen solle bis Ende des Jahres ausgearbeitet werden,
sagte Selenskyj. Er dankte auch humanitäre Hilfe Serbiens für den
Medizin- und Energiebereich in der Ukraine.

Belgrad und Kiew erkennen Kosovo nicht an

Vucic erklärte, dass sein Land die territoriale Integrität der
Ukraine unterstütze. Er dankte Kiew dafür, im Fall Serbien dasselbe
zu tun: «Wir sind der Ukraine dankbar für die Unterstützung der
territorialen Integrität Serbiens», sagte er. Dabei erwähnte Vucic
die frühere serbische Provinz Kosovo nicht, die 2008 nach einem
blutigen Krieg ihre Unabhängigkeit erklärt hat - zielte aber
offensichtlich darauf ab. Die meisten EU-Staaten erkennen diese
Abspaltung Kosovos an, nicht aber Serbien - und auch nicht die
Ukraine. Kiew will keinen Präzedenzfall schaffen, mit dem sich die
Abspaltung des von Russland reklamierten Donbass und der Halbinsel
Krim rechtfertigen ließe. 

Noch vor drei Wochen zögerte Vucic mit Hilfe für Ukraine

Davor hatten sich Vucic und Selenskyj mehrfach auf Gipfeltreffen in
anderen europäischen Ländern getroffen. Erst Mitte Juli kamen sie
beim Ukraine-Südosteuropa-Gipfel in Kiew zusammen - auch mit
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dabei weigerte sich
Vucic als einziger Teilnehmer, eine gemeinsame Erklärung über
fortgesetzte Unterstützung für die Ukraine und höheren Druck auf
Russland zu unterzeichnen.

Serbien unterhält gute Beziehungen zu Russland und hat sich als eines
von wenigen europäischen Ländern nicht den EU-Sanktionen gegen Moskau
angeschlossen. Zugleich liefert das Balkanland Waffen an die Ukraine,
ohne dies offiziell zuzugeben.