Kritik an WDR-Journalist Restle wegen Beitrag zu Ceuta-Krise
09.08.2026 14:28
Der Journalist Georg Restle steht nach einem kontroversen
Social-Media-Beitrag zur Lage in der spanischen Exklave Ceuta im
Fokus. Der Sender reagiert auf eine Beschwerde an die
Programmdirektion.
Düsseldorf (dpa) - Der WDR-Journalist und Auslandskorrespondent Georg
Restle hat mit einem Beitrag auf der Plattform X zur Flucht
Zehntausender Migranten in die spanische Exklave Ceuta eine
Beschwerde an die WDR-Programmdirektion ausgelöst. Der Journalist
hatte auf X einen Beitrag der US-Zeitschrift «The Nation» geteilt und
einen englischsprachigen Auszug des Textes gepostet.
Er zitierte, die Ereignisse in der spanischen Exklave seien «weder
eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes,
sondern Teil der Bemühungen des immer stärker werdenden
US-israelisch-marokkanischen Bündnisses (.), eine progressive
europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das
Völkerrecht zu untergraben.»
Kritik von Rundfunkrat-Mitglied
Felix Schotland, Mitglied im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und
im WDR-Rundfunkrat, wandte sich daraufhin mit einem Brief an
WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk. «Aussagen dieser Tragweite
sind geeignet, das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit
und Glaubwürdigkeit des WDR nachhaltig zu beschädigen», hieß es in
dem Schreiben, das die «Jüdische Allgemeine» im Wortlaut
veröffentlichte.
«Besonders irritiert mich, dass ein führender Journalist des WDR
einen Beitrag mit einer derart zugespitzten Darstellung
veröffentlicht, der den Eindruck erweckt, geopolitische Entwicklungen
würden durch ein konspiratives Netzwerk gesteuert», schrieb Schotland
weiter. Auch auf der Plattform X gab es Kritik an Restles Beitrag. In
mehreren Kommentaren wurde ihm das Verbreiten antisemitischer
Verschwörungstheorien vorgeworfen.
Nach dem am Donnerstag geteilten Beitrag distanzierte sich Restle in
mehreren X-Posts davon. Er wolle sich das Zitat weder zu eigen machen
noch hätte er es selbst so formuliert, schrieb der Journalist
zunächst. Kurze Zeit später betonte er: «Daher war es ein Fehler,
dieses Zitat so kommentarlos wiederzugeben, weil mir hätte klar sein
müssen, dass mir dieses Zitat zugeschrieben wird. Gegen die haltlosen
Vorwürfe, ich würde hier Antisemitismus verbreiten, verwahre ich mich
dagegen ausdrücklich.»
WDR: X-Post war ein Fehler
Der WDR kündigte an, auf Schotlands Schreiben in der kommenden Woche
antworten zu wollen. Restle habe eingeräumt, dass es ein Fehler
gewesen sei, das Zitat aus dem von ihm verlinkten Text kommentarlos
wiederzugeben, teilte die WDR-Pressestelle auf Anfrage mit. «Diese
Ansicht teilt der WDR.»
Der Sender werde seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erneut dafür
sensibilisieren, «auch auf ihren privaten Social-Media-Accounts stets
mit der nötigen journalistischen Sorgfalt zu agieren», hieß es
weiter.
Sender nimmt Restle in Schutz
«An der persönlichen Integrität von Georg Restle besteht für den WD
R
keinerlei Zweifel», betonte der Sender indes. «Ihn als Person
aufgrund dieses Posts in die Nähe des Antisemitismus zu rücken, ist
aus Sicht des WDR keinesfalls gerechtfertigt.»
Restle hatte zum 1. Juni 2026 die Leitung des crossmedialen
ARD-Studios Nairobi übernommen. Zuvor war er Redaktionsleiter und
Moderator des ARD-Politmagazins «Monitor».
