Als Lehre aus Ceuta: EVP-Chef Weber für Abschiebezentren
10.08.2026 07:00
Rund 72.000 Menschen erreichten von Marokko aus die spanische Exklave
Ceuta, fast alle konnten aber zurückgeschickt werden. Die EU sollte
daraus lernen, findet CSU-Europapolitiker Manfred Weber.
Brüssel (dpa) - Angesichts der Migrationskrise in der spanischen
Exklave Ceuta hat sich der CSU-Europapolitiker und Chef der
Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, für eine schnelle
Einführung von Abschiebezentren in Afrika ausgesprochen. «Europa muss
rasch Return-Hubs in Afrika verwirklichen», schrieb er in einem
Gastbeitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». «Die EU hat m
it
guten Handelsbeziehungen, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und auch
legaler Migration enorme Angebote für Länder, die mit uns bei diesen
Return-Hubs kooperieren.»
Ende Juli und Anfang August hatten knapp 72.000 Menschen
vorübergehend von Marokko aus die spanische Exklave erreicht. Die
erwachsenen Migranten konnten fast alle schnell zurückgeschickt
werden. Die Reaktion auf die Krise in Ceuta habe gezeigt, «dass eine
enge Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten funktionieren kann»,
schrieb Weber.
Weber warnt vor Scheitern wegen einzelner Mitgliedstaaten
Für die Umsetzung von Abschiebezentren brauche es «einen klaren
Auftrag an die Kommission», und man dürfe «nicht länger auf den
langsamsten Mitgliedstaat warten», so der CSU-Politiker. Auch
Rückführungen dürften «nicht länger vom politischen Willen einzel
ner
Mitgliedstaaten abhängen».
Mögliche Abschiebezentren außerhalb der EU und die Auslagerung von
Asylverfahren werden seit Jahren diskutiert und sind höchst
umstritten. Auch bei einer außerplanmäßigen Videokonferenz der
EU-Innenminister zur Ceuta-Krise am vergangenen Dienstag waren solche
Lösungen ein Thema. Deutschland treibt das Vorhaben in einer
Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Niederlanden, Österreich,
Griechenland und Dänemark voran.
Frontex soll «Kommandogewalt erhalten»
Zudem sprach sich Weber für eine Ausweitung der EU-Grenzschutzbehörde
Frontex aus. Diese müsse zu einer «echten europäischen
Grenzschutzagentur mit 50.000 Einsatzkräften ausgebaut werden» und
«den Mitgliedstaaten auch auf die Finger schauen», schrieb er.
«Unabhängige, unangekündigte Kontrolle an den Grenzposten Europas, um
zu prüfen, ob Grenzschutz-Recht der EU auch umgesetzt wird, müssen
Standard werden. Und klar ist auch: Wenn nationale Behörden nicht
willens sind, unsere Grenzen zu schützen, dann muss Frontex auch
Kommandogewalt erhalten.»
