Landwirten im Nordosten drohen dunkle Wolken aus Brüssel
11.08.2026 17:25
Die Erntesaison verläuft normal, trotzdem droht den Bauern in
Mecklenburg-Vorpommern Ungemach. Ärger machen regionale Schädlinge,
die Konkurrenz am Weltmarkt und Agrarpolitiker in Brüssel.
Schwerin (dpa/mv) - Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern können in
diesem Jahr laut Agrarminister Till Backhaus auf eine
durchschnittliche Ernte hoffen, müssen aber um Einnahmen und künftige
Fördermittel bangen. Die Gerstenernte sei recht gut, der Weizenertrag
auf gewöhnlichem Niveau, die Rapsernte hingegen schwach, sagte
Backhaus in der Landespressekonferenz. Wirtschaftlich drohe den
Agrarbetrieben damit ein schlechtes Jahr, so der Minister. In dem
Zusammenhang warnte er vor Förderkürzungen aus der EU.
Da in sechs Wochen ein neuer Landtag gewählt wird, zog der
SPD-Politiker auch Bilanz: Insgesamt hätten EU, Bund und Land in der
letzten Legislaturperiode etwa drei Milliarden Euro an Mitteln für
die Landwirtschaft und die Entwicklung des ländlichen Raums
bereitgestellt, sagte er. «Wir hängen aber immens von Europa ab und
da ziehen schwere schwarze Wolken auf», sagte Backhaus.
Backhaus erneuert Kritik an geplanter EU-Agrarpolitik
Die Kritik richtet sich gegen die geplante Reform der gemeinsamen
Agrarpolitik (GAP) in Brüssel, wonach ab 2028 größere Betriebe nicht
mehr gefördert würden. In Mecklenburg-Vorpommern betrifft dies rund
ein Viertel der 4.000 landwirtschaftlichen Unternehmen. Die
Direktzahlungen an Landwirte würde damit von aktuell 314 Millionen
Euro auf weniger als die Hälfte - 151 Millionen Euro - zurückgehen.
«Das ist für uns nicht akzeptabel», sagte Backhaus.
Den Druck auf Brüssel will er über Berlin aufbauen. Immerhin sei
Deutschland einer der größten Nettozahler für den EU-Haushalt.
Rückendeckung durch die Agrarministerkonferenz habe er, versicherte
Backhaus.
Doch Sorgen bereitet den Bauern nicht nur die künftige Ausrichtung
der Agrarpolitik in Brüssel, sondern auch die aktuelle Lage am
Weltmarkt. Die Einnahmen für Ackerbohne, Futtergerste und Futtererbse
sind im zweistelligen Prozentbereich gesunken.
Der Raps wiederum habe eigentlich gute Preise, «aber die Erträge sind
schlecht», sagte Backhaus. In diesem Jahr werden die Bauern wohl
weniger als 30 Doppelzentner pro Hektar erzielen - in Spitzenjahren
waren es mal 42. Das ist ein deutlicher Rückgang.
Schädlingsbefall und Hitze verringern die Ernte
Schuld daran ist Schädlingsbefall. Neben dem Rapserdfloh sei dieses
Jahr auch die Kohlschotenmücke ein Problem, sagte eine Sprecherin des
Landesbauernverbands Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen
Presse-Agentur. Sie bohrt die Rapsschoten an und legt ihre Eier
hinein. Die daraus schlüpfenden Larven fressen die Rapskörner in der
Schote. Mitunter bleiben kaum noch Körner übrig und ein weißliches
Gespinst in der Schote. Wenn der Befall zu stark sei, könne der Raps
nur noch in der Biogasanlage verwertet werden, sagte die Sprecherin.
Beim Weizen, der in Mecklenburg-Vorpommern die meiste Anbaufläche
belegt, könne es Probleme infolge der großen Hitze Ende Juni geben,
sagte die Sprecherin. Dies sei genau in der sogenannten
Kornbildungsphase passiert - mit der Folge, dass die Weizenkörner
klein blieben. Wie die Ernte letztlich ausfallen werde, hänge aber
auch noch von aktuellen Niederschlägen ab. Immerhin ist laut Backhaus
die Qualität des Weizens gut.
Ukraine-Krieg lässt Weizenpreise steigen
Und während die Bauern unter hohen Preisen für Treibstoffe und
Düngemittel als Folgen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten
leiden, könnten sie beim Weizen sogar einmal Nutznießer der traurigen
aktuellen Entwicklung sein: Denn der verschärfte Seekrieg zwischen
den Weizen-Großproduzenten Russland und der Ukraine verwandelt das
Schwarze Meer in eine Sperrzone. Getreidelieferungen, die gewöhnlich
über die Häfen dort liefen, sind derzeit blockiert. Die Folge: Die
Weizenpreise steigen wieder am Weltmarkt.
In MV bleibt der Winterweizen mit rund 295.000 Hektar die wichtigste
Anbaukultur des Landes, gefolgt von Winterraps und Wintergerste.
Zuwächse verzeichnen dem Verband zufolge Futtererbsen und
Ackerbohnen, während die Anbauflächen von Winterroggen, Triticale
(Weizen-Roggen-Kreuzung) und Zuckerrüben weiter zurückgehen.
