Neue EU-Verpackungsregeln sorgen für Unmut

12.08.2026 14:47

Neue Regeln zwingen Firmen zur Registrierung und Benennung von
Bevollmächtigten in jedem EU-Land, in dem sie verkaufen. Das ruft
viele auf den Plan - auch die EU-Kommission.

Brüssel (dpa) - Die neuen EU-Vorschriften für Verpackungen sorgen für

viel Diskussion: Wer in mehrere Mitgliedsländer verkaufen will, muss
sich künftig dort jeweils einzeln registrieren und einen
Bevollmächtigten benennen. Das schreibt die ab heute geltende neue
EU-Verpackungsverordnung (PPWR) vor. Gerade für Kleinstunternehmen
und kleine und mittlere Firmen könne dies dazu führen, dass sich der
Verkauf in andere Mitgliedstaaten wirtschaftlich nicht mehr lohnt,
kritisieren die Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen
Parlament, Niclas Herbst und Angelika Niebler. 

In einem Brief an EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall fordern sie:
«Der europäische Binnenmarkt darf durch die Umsetzung der PPWR nicht
erneut geschwächt oder fragmentiert werden.» Das Schreiben liegt der
Deutschen Presse-Agentur vor. «Wenn Unternehmen bereits für kleine
Verpackungsmengen in mehreren Mitgliedstaaten jeweils eigene
Registrierungen, Bevollmächtigte, Meldungen und Gebühren benötigen,
entstehen dadurch neue Hindernisse für den grenzüberschreitenden
Handel», so die Unionspolitiker weiter.

Händler überdenken Lieferungen in andere EU-Länder

Mehrere kleine Händlerinnen und Händler hatten zuletzt in den
sozialen Netzwerken ihrem Ärger über das neue Regelwerk Luft gemacht
und angekündigt, künftig in weniger Länder zu versenden. Zahlreiche
Unternehmen hätten Lieferungen in andere EU-Mitgliedstaaten
eingestellt oder angekündigt, ihre grenzüberschreitenden Aktivitäten

zurückzufahren, schreiben auch Niebler und Herbst. Sie fordern auch
die Vereinfachung von Registrierungen.

Wenn Unternehmer in jedem Mitgliedsland, in dem sie nicht
niedergelassen sind und Produkte verkaufen, einen Bevollmächtigten
für die Verpflichtungen benennen müssen, kann das Auswirkungen haben
- darüber ist sich auch die EU-Kommission im Klaren. Schon im
Dezember - und damit bevor die Verordnung angewandt wurde - hatte sie
vorgeschlagen, diese Verpflichtung für europäische Hersteller
auszusetzen.

Das fehlende Puzzleteil in den nun geltenden Verpackungsregeln sei
der Vereinfachungsvorschlag, damit auch kleine Unternehmen nicht in
jedem Mitgliedstaat einen Vertreter einrichten müssen. «Ich hoffe,
dass das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten im Rat diesem
wichtigen Vereinfachungsvorschlag ohne weitere Verzögerung
zustimmen», teilte Umweltkommissarin Roswall nun mit. Bis dahin
sollten die nationalen Behörden auf Sanktionen gegen Unternehmen
verzichten.