Russland droht mit Angriffen auf «feindliche» Handelsschiffe
12.08.2026 16:19
Die EU geht wegen Moskaus Ukraine-Krieg mit Sanktionen gegen die
Öltanker der russischen Staatenflotte vor. Der Kreml will das nicht
länger hinnehmen und droht nun erneut europäischen Handelsschiffen.
Juschno-Sachalinsk (dpa) - Russlands droht nach dem Festsetzen
mehrerer Schiffe seiner sogenannten Schattenflotte dem Westen mit
«spiegelbildlichen Maßnahmen». Es gehe nicht nur um Gewässer, in
denen russische Schiffe überfallen würden, «sondern dort, wo wir es
für notwendig und zielgerichtet erachten», sagte der russische
Präsident Wladimir Putin. Er trat in Uniform auf einem Kriegsschiff
bei einem Manöver der Pazifikflotte vor der Insel Sachalin auf.
Moskau reagiere damit auf das Vorgehen der Europäischen Union.
Die Festsetzung seiner Schiffe ärgert Russland schon lange. Moskau
spricht von Piraterie und hat auch schon wiederholt damit gedroht,
seine Kriegsschiffe zum Schutz seiner Handelsschiffe einzusetzen.
Angriffe auch außerhalb des Schwarzen Meeres
Der russische Ex-Präsident und jetzige Vizechef des nationalen
Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, wurde noch konkreter. «Russland
hat das Recht, jedes Handelsschiff feindlicher Staaten anzugreifen,
die sich sowohl in unseren als auch in neutralen Gewässern befinden,
wenn es ausreichenden Verdacht gibt, dass es Fracht im Interesse des
Gegners transportiert», schrieb Medwedew in seinem Telegram-Kanal.
Mit Gegner dürfte er die Ukraine meinen. Das betreffe jede Fracht und
jedes Schiff auch außerhalb des Schwarzen Meeres.
Russland führt seit fast viereinhalb Jahren Krieg gegen den Nachbarn
Ukraine und wurde deswegen von der EU und anderen Staaten mit
Sanktionen belegt. Mehrere westliche Staaten, darunter
Großbritannien, Frankreich und Schweden, setzten bereits für Russland
fahrende Öltanker wegen des Verdachts der Sanktionsumgehung
kurzzeitig fest. So soll etwa Russlands Ölverkauf unterbunden werden,
der wichtig für die Finanzierung des Angriffskrieges gegen die
Ukraine ist. Auch für andere Bereiche der russischen Schifffahrt
gelten Sanktionen.
Der für Schifffahrt zuständige Kreml-Beauftragte Nikolai Patruschew
sprach im Februar von «piratenähnlichen Angriffen» westlicher Staaten
auf den Seehandel seines Landes. Moskau erwartet demnach künftig noch
mehr Versuche, russische Öltanker und andere Handelsschiffe
festzusetzen. «Wir denken, dass wie zu allen Zeiten die Kriegsflotte
die beste Garantie für die Sicherheit der Schifffahrt ist», sagte er.
Russland müsse weiter sein Öl, sein Getreide, seinen Dünger
verschiffen können, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.
