EZB: Automatisierung darf Bargeld nicht verdrängen

13.08.2026 13:52

Bargeld ist mit Abstand die am weitesten verbreitete Zahlungsmethode
im Euroraum. Doch der Trend zur Digitalisierung ist ungebrochen. Die
Euro-Währungshüter sehen darin auch Risiken für Verbraucher.

Frankfurt/Main (dpa) - Einzelhandel, Restaurants, Hotels: 92 Prozent
aller Unternehmen im Euroraum akzeptieren Bargeld. Allerdings gibt es
einen Trend zu bargeldlosen Bezahlmethoden, wie eine Umfrage der
Europäischen Zentralbank (EZB) ergab - und das sieht die Notenbank
nicht nur positiv. 

«Um eine breite Akzeptanz von Bargeld sicherzustellen, ist es
entscheidend, dafür zu sorgen, dass die zunehmende Automatisierung
des Zahlungsverkehrs Bargeld als praktikable Zahlungsoption nicht
unbeabsichtigt behindert oder untergräbt», mahnt die EZB.

Machen SB-Kassen Bargeld unattraktiv?

In der Umfrage gab ein Viertel der 8.205 Unternehmen aus den 21
Eurostaaten an, dass sie beispielsweise in Kassen investiert haben,
die bargeldlose Zahlungen akzeptieren oder die Anzahl der Kassen
reduzieren, an denen Scheine und Münzen angenommen werden. 13 Prozent
haben Selbstbedienungskassen eingeführt. Fast die Hälfte (48 Prozent)
dieser Unternehmen akzeptiert an keinem der SB-Terminals Bargeld. 

Die EZB warnt vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen dieser Entwicklung:
«Auch wenn die meisten Unternehmen Bargeld akzeptieren und dies auch
so kommunizieren, könnte die wahrgenommene Akzeptanz von Bargeld bei
den Verbrauchern sinken, da die Unternehmen die Bequemlichkeit des
Barzahlens eingeschränkt haben.»

Werden Schein und Münze in fünf Jahren noch akzeptiert?

Zwar planen die meisten Unternehmen, die Bargeld akzeptieren, dies
auch in den nächsten fünf Jahren zu tun (92 Prozent). Allerdings gab
in Zypern (51 Prozent), Griechenland (23 Prozent) und Bulgarien (18
Prozent) ein erheblicher Anteil der Umfrageteilnehmer an, dies in
Zukunft möglicherweise nicht mehr zu tun. In Deutschland, wo sich 904
Unternehmen an der Erhebung beteiligten, liegt dieser Anteil bei
unter 10 Prozent. Die Daten wurden im Zeitraum 23. Februar bis 10.
April 2026 erhoben.

«Die zuständigen Behörden müssen mit ihrer Politik und ihren
Maßnahmen proaktiv vorgehen, um sicherzustellen, dass Euro-Banknoten
und -Münzen auch in den kommenden Jahren in allen Ländern und
Branchen ein attraktives und akzeptiertes Zahlungsmittel bleiben»,
fordert die EZB.

Die Akzeptanz von Kartenzahlungen blieb im Vergleich zu einer
EZB-Erhebung aus dem Jahr 2024 mit 88 Prozent weitgehend stabil. Fast
verdoppelt von 36 auf 68 Prozent hat sich von 2024 auf 2026 die Zahl
der Unternehmen, die mobile Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch
ermöglichen.