Reiche sieht Positives bei Reformplänen für Emissionshandel Von den dpa-Korrespondenten

14.08.2026 05:30

Der Handel mit Rechten zum CO2-Ausstoß soll Europas Industrie immer
klimafreundlicher machen. Vorschläge zur Abschwächung stoßen auf ein

geteiltes Echo.

Berlin (dpa) - Wirtschaftsministerin Katherina Reiche warnt vor einer
Überlastung der Wirtschaft durch den Emissionshandel. Vorschläge der
EU-Kommission zur Abschwächung des Klimaschutz-Instruments begrüßt
die CDU-Politikerin - hat aber ein paar Anmerkungen im Detail. 

Reiche warnt vor Abwanderung

«Die Reform des EU-Emissionshandels muss jetzt so ausgestaltet
werden, dass wir industrielle Produktion und energieintensive
Unternehmen langfristig in Deutschland halten können», sagte sie der
Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Ohne Kurskorrekturen droht
weitere Abwanderung und Produktionsverlagerung.»

Was die EU-Kommission ändern will

Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der EU auf
dem Weg zur Klimaneutralität 2050. Dabei müssen Firmen Rechte zum
Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) nachweisen. Nach
Bedarf können sie damit handeln, was in energieintensiven Branchen
als Anreiz dienen soll, Treibhausgase einzusparen. So entsteht ein
Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl

der verfügbaren Zertifikate - das soll auf effiziente Art zu mehr
Klimaschutz führen. 

Die Brüsseler Behörde hatte eine Abschwächung des zentralen
Klimaschutzinstruments vorgeschlagen. Sie will, dass die Gesamtzahl
verfügbarer Rechte für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie
Kohlendioxid (CO2) langsamer abnimmt als zuvor. Außerdem soll es in
bestimmten Bereichen mehr kostenlose Zertifikate geben.

Der Mitte Juli präsentierte Reformvorschlag der EU-Kommission
enthalte gute Ansätze, sagte Reiche: «Das System soll flexibler und
die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten ausgeweitet werden.» Sie
warnte aber davor, die für die freie Zuteilung von Zertifikaten
angewandten Maßstäbe müssten die Realität abbilden. «Wenn wir
faktisch Pilotanlagen zum Standard für ganze Industriezweige machen,
dann wird es nicht funktionieren.»

Kritiker fürchten Verschiebung notwendiger Schritte

Die Umweltschutzorganisation WWF beklagte, die EU-Kommission lege den
Rückwärtsgang ein. «Wer die CO2-Bepreisung jetzt weichspült, belohn
t
nicht die Vorreiter - er belohnt die Nachzügler und belastet unser
Klima. Und diese Rechnung werden wir alle bezahlen müssen.»

Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft warnte vor einer
Verschiebung der Klimaschutz-Anstrengungen. «Länger kostenlose
Zertifikate zu vergeben, verschiebt damit nur den Umbau der Industrie
und erhöht den Druck auf die Unternehmen in den 2040ern.» Dabei
setzten Mehrkosten durch den Irankrieg und niedrige Pegelstände am
Rhein der Industrie bereits heute zu. Einnahmen aus dem
Emissionshandel sollten zur Stärkung der betroffenen Sektoren genutzt
werden.

Sorge vor Bürokratie und mangelnder Planungssicherheit

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hatte bei der Vorstellung
der Vorschläge im Juli betont, der Emissionshandel allein könne den
klimafreundlichen Umbau der Industrie nicht tragen. Nötig seien
bezahlbarer grüner Strom und Wasserstoff und die nötigen Netze.

Der Chemiekonzern BASF warnte, der Brüsseler Vorschlag gehe an der
Realität der Unternehmen vorbei und werde die Kostenbelastung für das
Unternehmen in Europa voraussichtlich weiter erhöhen. «Was wir
brauchen, sind schnelle Erleichterungen, keine zusätzlichen
Belastungen und noch mehr Bürokratie.» 

Der Stahlkonzern Salzgitter pochte auf Planungssicherheit. «Ein
langfristig verlässlich steigender CO2-Marktpreis ist wiederum
Grundvoraussetzung zum Auslösen und Umsetzen erforderlicher
Innovationssprünge zur Dekarbonisierung der EU-Industrie», betonte
das Unternehmen. Die Wirtschaft müsse sich darauf verlassen können,
dass staatliche Rahmenbedingungen nicht so verändert würden, dass
schon gemachte Investitionen in den Klimaschutz von
Vorreiter-Unternehmen wie Salzgitter nicht im Nachhinein entwertet
werden.