Ifo: Niedriger CO2-Preis bremst Investitionen fürs Klima
18.08.2026 13:22
Wann investieren Unternehmen in klimafreundliche Projekte, wann
warten sie ab? Dem sind Forscher des Ifo-Instituts nachgegangen - und
haben überraschende Erkenntnisse.
München (dpa) - Deutsche Industrieunternehmen würden nach einer
Ifo-Umfrage mehr in klimafreundliche Technologien investieren, wenn
der CO2-Preis höher und verlässlich wäre. «Für viele Unternehmen
machen planbare CO2-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue,
klimafreundliche Anlage rechnet», schreibt Ifo-Forscher Mathias
Dolls. «Die befragten Unternehmen investieren im Schnitt erst, wenn
der Preis konstant über 90 Euro pro Tonne CO2 liegt. Bei zu starken
Preisschwankungen investieren die Unternehmen nicht.»
Bei einem niedrigen CO2-Preis von etwa 50 Euro lehnen die befragten
Firmen Klimaschutzprojekte im Schnitt ab, zeigt die Ifo-Studie unter
830 Industrieunternehmen. Steige der erwartete CO2-Preis auf 175
Euro, falle die Entscheidung klar zugunsten klimafreundlicher
Investitionen aus. «Aktuell liegen die Preise des europäischen
Emissionshandels von etwa 70 bis 90 Euro nahe an der Schwelle, an der
ein durchschnittliches Industrieunternehmen in Deutschland beginnt,
klimafreundlich zu investieren, aber ein großer Teil dürfte noch
zögern», sagt Ifo-Forscher Gerome Wolf.
Neben der Höhe des CO2-Preises spielen laut Studie Preisschwankungen
eine zentrale Rolle für Investitionsentscheidungen. Sobald
Unternehmen mit hohen Schwankungen rechnen, warteten sie ab und
investierten selbst bei einem hohen Durchschnittspreis nicht, so das
Ifo. Verlässliche politische Bedingungen seien daher ausschlaggebend.
Emissionshandel in der EU auf dem Prüfstand
Der Emissionshandel in Europa, das zentrale Klimaschutzinstrument der
EU, steht im Zentrum heftiger Debatten. Dabei müssen Firmen Rechte
zum Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) nachweisen.
Während etwa die Chemiebranche auf Lockerungen dringt, warnen manche
Stahlkonzerne wie Salzgitter, die schon mit der Umstellung ihrer
Produktion begonnen haben, vor einer Rolle rückwärts.
Die EU-Kommission hatte im Juli eine Abschwächung des
Emissionshandels vorgeschlagen. Sie will, dass die Gesamtzahl
verfügbarer Rechte für den Ausstoß klimaschädlicher Gase langsamer
abnimmt. Zudem soll es in bestimmten Bereichen mehr kostenlose
Zertifikate geben.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) pocht auf
Entlastung für die Wirtschaft. «Die Reform des EU-Emissionshandels
muss jetzt so ausgestaltet werden, dass wir industrielle Produktion
und energieintensive Unternehmen langfristig in Deutschland halten
können», sagte sie jüngst der Deutschen Presse-Agentur.
