Gefängnis-Deal: Erste schwedische Häftlinge in Estland eingetroffen
18.08.2026 16:56
In Schweden platzen die Haftanstalten aus allen Nähten, in Estland
ist dagegen viel Platz in Gefängnissen. Das führte zu einem
besonderen Abkommen - nun sind die ersten Häftlinge verlegt worden.
Tallinn (dpa) - In Estland sind die ersten vier schwedischen
Gefangenen eingetroffen, die ihre Haftstrafe in dem baltischen
EU-Land verbüßen werden. Nach Angaben des estnischen
Gefängnisdienstes trafen die Häftlinge mit einem Flugzeug auf dem
Luftwaffenstützpunkt Ämari ein, von wo aus sie in das Gefängnis von
Tartu verlegt wurden. Der Transport und die Aufnahme in der
Haftanstalt seien sicher und planmäßig verlaufen, hieß es in der
Mitteilung.
Estland und Schweden hatten 2025 eine Vereinbarung getroffen, die die
Verlegung von bis zu 600 schwedischen Gefangenen in das Gefängnis in
Estlands zweitgrößter Stadt Tartu vorsieht. Bis Ende September sollen
den Angaben zufolge etappenweise bis zu 100 Häftlinge eintreffen, bis
Ende des Jahres sollen es 200 sein. Die Kosten für die Unterbringung
trägt der schwedische Staat.
Schweden hat Problem mit kriminellen Gangs
Estland kann der Übereinkunft zufolge die von Schweden ausgewählten
Gefangenen selbst überprüfen und im Zweifel auch zurückweisen. In
Tartu sollen sie keinen Freigang erhalten und auch nicht in Estland
entlassen werden, sondern vor Ende ihrer Haftstrafe nach Schweden
zurückgeschickt werden. Ein Kontakt mit estnischen Insassen ist nicht
vorgesehen.
Schweden hat seit mehreren Jahren ein erhebliches Problem mit
kriminellen Gangs. In dem Zuge sind zuletzt auch die Plätze in den
Strafvollzugsanstalten im Land immer knapper geworden. Dagegen stehen
in Estland viele Zellen leer - das Land hat die niedrigste
Belegungsquote in der EU. Mit der Vermietung der Gefängniszellen soll
nun die Auslastung in Estland erhöht und Überbelegung in Schweden
reduziert werden.
