Apple nimmt nach EU-Strafe Änderungen im App-Store vor
18.08.2026 19:48
500 Millionen Euro Strafe brummte die EU-Kommission Apple 2025 auf.
Brüssel will den US-Konzern zu mehr Offenheit beim Vertrieb seiner
Apps zwingen - das könnte auch für Nutzer Folgen haben.
Brüssel/Cupertino (dpa) - Apple nimmt nach dem Druck der EU von
Oktober an Änderungen am App-Store vor. Nutzer in der EU sollen
dadurch künftig mehr Wahlfreiheit beim Herunterladen und Bezahlen von
Apps haben, wie aus Mitteilungen des US-Konzerns und der
EU-Kommission hervorgeht.
Kern der Neuerungen: Entwickler von Apps, die mit Apple kompatibel
sind, sollen künftig freier entscheiden können, wie sie ihre
Programme vertreiben und wie Nutzer dafür bezahlen. Die Software soll
neben dem App-Store also auch einfacher über Internetseiten oder
Online-Marktplätze von Drittanbietern heruntergeladen werden können.
Die Entwickler sollen ihre Kunden nach Angaben der EU-Kommission
dafür auch auf die Alternativen hinweisen dürfen und gleichzeitig das
Recht behalten, Nutzern zusätzlich den Abschluss von Transaktionen
über Apples In-App-Zahlungssystem anzubieten. Bisher hielt der
Tech-Riese Entwickler nach Ansicht der Brüsseler Wettbewerbshüter mit
Gebühren davon ab, solche alternativen Vertriebskanäle zu nutzen.
Neue Provision für Apps aus anderen Stores
Bei einem weiteren entscheidenden Punkt des Streits zwischen der EU
und dem US-Konzern scheint Apple nur zum Teil von seiner bisherigen
Praxis abzuweichen. Die sogenannte Gebühr für Kerntechnologie von
Apple, die nach Unternehmensangaben für App-Entwickler mit
außergewöhnlicher Reichweite fällig und pro Installation nach einer
Million Downloads erhoben wurde, soll ersetzt werden. Nun sollen
Entwickler eine Provision von fünf Prozent auf digitale Transaktionen
in Apps zahlen, die außerhalb von Apples Marktplatz vertrieben
werden, wie aus der Mitteilung der Firma hervorgeht.
Ursprünglich konnte man iPhone-Apps nur aus dem firmeneigenen Store
herunterladen, und alle Zahlungen wurden über das hauseigene System
mit Gebühren an Apple abgewickelt. Der Konzern sträubte sich lange
gegen eine Öffnung unter anderem mit Verweis auf die Sicherheit der
Nutzer, hatte nach den europäischen Digitalgesetzen aber keine Wahl.
Rivalen wie der Musikstreaming-Marktführer Spotify kritisierten aber,
Apple habe Regeln und Gebühren geschaffen, die es für Entwickler
unattraktiv machen sollten, Apps über andere Stores zu vertreiben und
über andere Zahlungsabwickler abrechnen zu lassen. Das treibe die
Kosten für Nutzer hoch, argumentierten sie.
Gestaffelte Provisionen
Entwickler können künftig gleichzeitig In-App-Käufe über Apple und
alternative Bezahlsysteme anbieten. Allerdings müssen sie sich für
zwölf Monate auf die angebotenen Optionen festlegen.
Anbieter, die Apples Plattform für In-App-Käufe nutzen, müssen eine
Provision von 26 Prozent zahlen. In einigen Apple-Programmen sowie
für Abos, die sich nach einem Jahr automatisch verlängern, gibt es
eine reduzierte Abgabe von 15 Prozent. Für Apps in Apples Store, die
einen alternativen Zahlungsabwickler nutzen, gilt eine Provision von
20 Prozent. Verlinken sie zum Kaufabschluss raus aus der App ins
Netz, werden 15 Prozent fällig. Bei Abos reduziert sich der Satz auf
10 Prozent.
Gleichzeitig will Apple durch die Maßnahmen nicht den Kinder- und
Jugendschutz auf seinem Marktplatz vernachlässigen. So sollen
Angebote für Kinder im App-Store demnach keine Links zu Webseiten
erhalten, auf denen Transaktionen durchgeführt werden können.
EU-Gesetz soll fairen Wettbewerb sicherstellen
Die Brüsseler Behörde kündigte an, die tatsächliche Umsetzung der
neuen Bedingungen genau zu beobachten. Sie hatte im April 2025 wegen
Verstößen gegen das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Ac
t,
kurz DMA) eine Strafe von 500 Millionen Euro gegen Apple verhängt.
Der US-Konzern gilt nach den EU-Regeln als sogenannter Torwächter
(Gatekeeper), stellt also mit seinen Angeboten ein wichtiges
Zugangstor zu Verbraucherinnen und Verbrauchern dar. Nach dem DMA
müssen Unternehmen wie Alphabet, Amazon oder eben Apple sich deshalb
an besondere Pflichten halten, um einen fairen Wettbewerb auf
digitalen Märkten sicherzustellen. Hintergrund ist die Befürchtung,
dass manche große Plattform-Betreiber so mächtig geworden sind, dass
sie ihre Marktposition zementieren könnten.
