Rom und Berlin: «Maximaler Schutz» an Außengrenzen

19.08.2026 22:27

Die EU-Partner sind sich nicht einig, wie mit Asylbewerbern umgangen
werden soll, die nach der Flucht übers Mittelmeer nach Deutschland
kamen. Jetzt telefonieren die Außenminister miteinander.

Rom (dpa) - Deutschland und Italien wollen sich nach den Worten des
italienischen Außenministers Antonio Tajani nach den jüngsten
Irritationen über den Umgang mit Migranten um eine enge Abstimmung
bemühen. Nach einem Telefonat mit Außenminister Johann Wadephul (CDU)
erklärte Tajani am Abend, der Schwerpunkt im Dialog zwischen Rom und
Berlin liege nun auf dem Thema Migration. Beide Seiten seien sich
einig über «die Notwendigkeit, einen maximalen Schutz an den
europäischen Außengrenzen zu gewährleisten». 

Zu den Meinungsverschiedenheiten, ob Italien Asylsuchende
zurücknehmen muss, die über Italien in die EU kamen und anschließend

nach Deutschland weiterreisten, äußerte sich der rechtsbürgerliche
Politiker in einem Beitrag auf X nicht. Deutschland will solche
Migranten nach den geltenden EU-Regeln wieder nach Italien
zurückschicken. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia
Meloni lehnt eine Aufnahme bislang jedoch ab.

Rom verweist auf deutsche Hilfe für Bootsflüchtlinge

Hintergrund ist die sogenannte Dublin-Verordnung. Demnach muss jeder
Migrant in dem EU-Land einen Asylantrag stellen, das zuerst betreten
wird. Dies wird allerdings vielfach umgangen. Italien nimmt aus
Deutschland bereits seit 2022 keine sogenannten Dublin-Migranten
zurück mit der Begründung, dass sein nationales Aufnahmesystem
komplett überlastet sei. Nun gilt seit Mitte Juni in der EU ein neues
Asylsystem. 

Rom weigert sich weiterhin, «Altfälle» aus der Zeit zuvor
zurückzunehmen. Nach italienischen Medienberichten sollte an diesem
Mittwoch erstmals eine Migrantin zurück überstellt werden, die im
März auf der Insel Lampedusa angekommen und dann nach Deutschland
weitergereist war. Dazu kam es aber nicht. Zudem gibt es aus Melonis
Koalition Forderungen nach einer Art Ausgleich, weil
Hilfsorganisationen mit unter deutscher Flagge fahrenden Schiffen
Bootsflüchtlinge nach Italien bringen, die sich auf der anderen Seite
des Mittelmeers auf den Weg gemacht haben.

Italiens Innenminister Matteo Piantedosi hatte die Zahl solcher
Migranten seit Jahresbeginn auf 2.200 beziffert, davon 500 seit
Inkrafttreten des neuen Asylpakts. Nach italienischen Medienberichten
ist in den nächsten Tagen auch ein Gespräch zwischen Piantedosi und
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geplant.