Wirtschaft: US-EU-Zolldeal «Wendepunkt für Handelspolitik»

21.08.2026 10:38

Vor einem Jahr folgte nach wochenlangem Ringen um Detailfragen die
gemeinsame Erklärung zwischen der EU und den USA zum bilateralen
Handelsabkommen. Doch nicht jeder ist davon begeistert.

Washington/Brüssel (dpa) - Ein Jahr nach der Einigung zwischen der
Europäischen Union und den USA blicken Verbände zwiespältig auf das
bilaterale Handelsabkommen. «Der Turnberry-Deal hat für die Industrie
bisher nur bedingt Stabilität gebracht. Das Abkommen war immer ein
schmerzhafter Kompromiss», sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der
Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie
(BDI). 

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident
Donald Trump hatten sich am 27. Juli 2025 im schottischen Turnberry
nach einem monatelangen Zollkonflikt auf eine Einigung verständigt.
Allerdings wurde noch wochenlang um Details gerungen, bis schließlich
am 21. August 2025 die gemeinsame Erklärung zum bilateralen
Handelsabkommen folgte. 

Auf die meisten europäischen Einfuhren durfte seither maximal ein
Aufschlag von 15 Prozent des Warenwertes erhoben werden. Brüssel
machte zudem Zugeständnisse und schaffte etwa EU-Zölle auf
US-Industriegüter ab. Seit Ende Juli liegt der pauschale Zollsatz für
EU-Importe in die USA allerdings wegen einer anderen Grundlage bei 10
Prozent, wie eine Sprecherin der EU-Kommission der Deutschen
Presse-Agentur mitteilte. 

Verbände beklagen höhere, branchenspezifische Zölle 

Zwar sei es positiv zu bewerten, dass sich die USA «größtenteils» a
n
die Obergrenze eines Zolls in Höhe von 15 Prozent hielten, sagte
Niedermark vom BDI weiter. Keine Lösung gebe es hingegen weiter für
die teils 50-prozentigen Zölle auf Stahl und Aluminium sowie die
Sätze in Höhe von 25 Prozent auf bestimmte Lkw-Einfuhren. «Bei den
Zöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte droht nach zwischenzeitlichen
Verbesserungen wieder eine Ausweitung der US-Maßnahmen», kritisierte
er. 

Unmut gibt es auch aus der Autoindustrie. «Die aktuellen US-Zölle in
Höhe von 15 Prozent für Pkw und deren Teile stellen weiterhin eine
spürbare Herausforderung für die deutsche Automobilindustrie dar»,
sagte ein Sprecher des Branchenverbands VDA. Er kritisierte zudem,
dass die «sehr hohen zusätzlichen US-Zölle auf europäische
Nutzfahrzeuge und deren Teile eine erhebliche Belastung für die
betroffenen Unternehmen» darstellten. Vor dem Amtsantritt von Trump
lag der Zollsatz für Pkw noch bei 2,5 Prozent. 

«Wendepunkt für Europas Handelspolitik» 

Auch die DIHK blickt mit gemischten Gefühlen auf das Abkommen
zwischen Washington und Brüssel. «Der Zolldeal markiert einen
Wendepunkt für Europas Handelspolitik», sagte Hauptgeschäftsführeri
n
Helena Melnikov. Er habe Schlimmeres verhindert, «aber kein Vertrauen
geschaffen». Zwar gebe es ein gewisses Maß an Planungssicherheit.
Doch Firmen seien weiter mit neuen Zolldrohungen, Bürokratie und
Rechtsunsicherheit konfrontiert. Um souverän zu bleiben, müssten
strategische Abhängigkeiten - besonders im Digitalbereich - reduziert
und Handelspartnerschaften breiter aufgestellt werden. «Dazu gehört
die rasche Ratifizierung der Abkommen mit Indien, Indonesien und
Australien sowie der konsequente Ausbau weiterer Handelsbeziehungen
in Asien.»