Selenskyj erwartet 30 Milliarden Euro von EU für Abwehr
23.08.2026 12:22
Der ukrainische Präsident Selenskyj verweist bei einem Gespräch mit
Journalisten auf Erfolge im Abwehrkampf gegen Russlands
Angriffskrieg. Und er erklärt, wo es hapert und warum er keine Wahlen
will.
Kiew (dpa) - Die Ukraine braucht nach den Worten von Präsident
Wolodymyr Selenskyj dringend Milliarden zur Finanzierung des
Abwehrkampfes gegen Russlands Angriffskrieg. Kiew erwarte von der EU
30 Milliarden Euro für die Verteidigungsausgaben, sagte er im
Gespräch mit Journalisten in Kiew. «Sie werden für die Verteidigung
des ganzen Landes gebraucht», betonte er. Derzeit gebe es im
Verteidigungshaushalt eine Lücke von 27 Milliarden Dollar (rund 23
Milliarden Euro).
Allein 20 Milliarden seien notwendig, um die Gehälter der Soldaten,
die Kompensationen für die Familien der Gefallenen und andere
Ausgaben zu bezahlen, sagte Selenskyj. Etwa wegen der Produktion von
Drohnen sei zusätzliches Geld nötig «Ein bedeutender Geldbetrag ist
erforderlich. Ich arbeite in dieser Sache mit den Franzosen und
Deutschen», sagte er.
Selenskyj: 820 Quadratkilometer befreit
Zugleich verwies Selenskyj auf Erfolge. So hätten Kiews Streitkräfte
seit Jahresbeginn 820 Quadratkilometer Fläche befreit, darunter fast
komplett das Gebiet Dnipropetrowsk. Dort seien nur noch etwa zehn
Quadratkilometer, drei Ortschaften, nicht unter komplett unter Kiews
Kontrolle, sagte der Präsident. Von unabhängiger Seite waren die
Angaben zunächst nicht überprüfbar.
Selenskyj räumte auch ein, dass Russland seit Jahresbeginn 990
Quadratkilometer Fläche okkupiert habe. Er erwartet, dass Kiew den
Russen bis Jahresende weitere Flächen wieder entreißen werde.
Selenskyj schloss zugleich erneut aus, dass die Ukraine sich
freiwillig aus dem Donbass zurückzieht - Moskau nannte dies als
Bedingung für einen Waffenstillstand.
Präsident lehnt Wahlen in Kriegszeiten weiter ab: Wäre ein «Tsunami
»
Mit Blick auf die jüngsten Forderungen des als Verteidigungsminister
entlassenen populären Politikers Mychajlo Fedorow nach Wahlen
bekräftigte Selenskyj seine Haltung, dass dies in Kriegszeiten nicht
möglich sei. «Wahlen zum jetzigen Zeitpunkt wären wie ein Tsunami f
ür
den Staat, der die Ukraine spalten würde», sagte Selenskyj. «Deshalb
besteht meine Strategie darin, das Land bis zum Ende des Krieges zu
führen und einen unabhängigen und souveränen Staat zu bewahren.»
Bereits im vorigen Jahr habe es Druck von verschiedenen Seiten
gegeben, Wahlen abzuhalten, sagte Selenskyj, der 2019 zuletzt gewählt
wurde. Wenn die Partner im Westen Vorschläge hätten, wie eine
Abstimmung für Millionen ukrainische Kriegsflüchtlinge im Ausland und
für die Menschen im Frontgebiet organisiert werden könne, dann sei er
bereit, darüber zu reden. Niemand aber habe bisher konkrete
Vorschläge gemacht, wie die Sicherheit bei solchen Wahlen garantiert
werden könne.
Russland, das seit viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die
Ukraine führt, hält vom 18. bis 20. September eine Parlamentswahl ab
- auch in den von Moskau kontrollierten Teilen der annektierten
ukrainischen Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson.
