Ende für Hering-Fang in der Ostsee? Vorschlag aus Brüssel

24.08.2026 14:45

Deutsche Küstenfischer nutzen eine Ausnahme, um in der Ostsee Hering
zu fischen. Nach Vorstellung der EU-Kommission könnte damit 2027
Schluss sein.

Brüssel (dpa) - Zum Schutz des Herings in der westlichen Ostsee
schlägt die EU-Kommission vor, die Fangmöglichkeiten stark
einzuschränken. Die Bestände seien weiter deutlich zu gering, teilte
die Brüsseler Behörde mit. 

Hering darf in der an Deutschland grenzenden westlichen Ostsee
weitgehend nicht gezielt gefischt werden. Derzeit gilt aber eine
Ausnahme für Fischer, die passiv in Küstennähe Hering fangen, etwa
mit Stellnetzen. Diese Ausnahme soll nach Vorstellung der Kommission
2027 wegfallen. Das betrifft die kleine Küstenfischerei, die den
Großteil der deutschen Ostseefischer stellt. 

Außerdem darf eine gewisse Menge als sogenannter Beifang beim Fischen
nach anderen Arten gefangen werden. Dem Vorschlag der Kommission
zufolge soll für westliche Ostsee-Heringe nur die Beifang-Regelung
bleiben. Die erlaubte Fangmenge soll sich demnach im kommenden Jahr
auf 437 Tonnen fast halbieren (2026: 788 Tonnen). Einem ähnlichen
Vorschlag waren die zuständigen Ministerinnen und Minister im
vergangenen Jahr nicht gefolgt. 

Deutliche Einschnitte bei Dorsch vorgeschlagen 

Auch die Zuteilungen unvermeidbarer Beifänge von Dorsch in der
westlichen Ostsee und in der östlichen Ostsee sollen deutlich sinken,
um 88 Prozent auf 31 Tonnen beziehungsweise 51 Prozent auf 211
Tonnen. Beifänge sind nach Angaben der EU-Kommission ein Problem, da
sie gefährdete Arten wie den Dorsch in der Ostsee bedrohen können. 

Die Fangmöglichkeiten einzelner Fischbestände unter anderem für
Hering in der mittleren Ostsee und Sprotte könnten dem Vorschlag
zufolge aber steigen. Die EU-Kommission begründet das mit der
Bestandsgröße. 

Für manche Fischbestände in der Ostsee seien die Aussichten für 2027

laut Forschern besser als zuletzt, teilte EU-Fischereikommissar
Costas Kadis mit. Man müsse aber vorsichtig bleiben. «Das Ökosystem
der Ostsee ist in einem sehr schlechten Zustand, und wir müssen
Maßnahmen in allen Bereichen ergreifen, um es zu schützen.»
Klimawandel, Überfischung und andere Faktoren haben den Beständen in
der Ostsee in den vergangenen Jahren zugesetzt. 

Minister beschließen final 

Die Kommission erarbeitet jedes Jahr auf Basis von wissenschaftlichen
Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES)
Vorschläge dazu, wie viel Fisch aus EU-Meeren gefangen werden darf.
Final beschlossen werden die Mengen aber von den
Fischereiministerinnen und -ministern der EU-Länder. Die Gesamtmenge
wird in nationale Quoten aufgeteilt. 

Die Minister müssen sich nicht an die Empfehlungen der EU-Kommission
halten. Ende Oktober befassen sie sich mit dem aktuellen Vorschlag.