Uran aus Russland? Umweltministerium fordert EU-Sanktionen

24.08.2026 16:07

Eine mutmaßliche Uran-Lieferung aus Russland sorgt in Niedersachsen
für Proteste. Der Bund schiebt die Verantwortung weiter nach Brüssel.

Lingen (dpa) - Angereichertes Uran aus Russland könnte laut
Anti-Atomkraft-Initiativen noch heute in die Brennelementefabrik im
niedersächsischen Lingen gebracht werden. Mehrere Organisationen
kündigten eine Demonstration dagegen an. «Was wir heute erleben, ist
ein erschreckendes Zeichen dafür, wie stark die Atomindustrie von der
Kooperation mit dem Kreml abhängig ist - und auch die Bundesregierung
billigt leider weiterhin diese Uranimporte und die Verarbeitung zu
Brennelementen in Lingen», kritisierte Matthias Eickhoff vom
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Das Bundesumweltministerium bestätigte den Transport von
Kernbrennstoffen nach Lingen auf Nachfrage nicht: «Aus Gründen des
Geheimschutzes» könnten die erbetenen Angaben, auch zum Zweck und
Umfang des mutmaßlichen Imports aus Russland, nicht weitergegeben
werden, hieß es.

Brennelemente für AKWs russischer Bauart

In der Fabrik in Lingen darf die Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF),
die zum französischen Framatome-Konzern gehört, sechseckige
Brennelemente für Atomkraftwerke russischer Bauart herstellen. Solche
VVER-Reaktoren stehen vor allem in Mittel- und Osteuropa. Die
Fertigung soll mit russischen Lizenzen, russischer Technik und
Maschinen der Rosatom-Tochter TVEL erfolgen.

Erst Ende Juli hatte das niedersächsische Umweltministerium eine
entsprechende Erweiterung der Brennelementefabrik im Auftrag des
Bundes unter Auflagen genehmigt. Der Bund hatte dem Land vorher
mitgeteilt, dass es nach der aktuellen Einschätzung der
Sicherheitsbehörden des Bundes zur Risikolage in Bezug auf Sabotage
oder Spionage keine Möglichkeit gebe, eine Genehmigung zu versagen.

Niedersachsens Minister gegen «Geschäfte mit Putin»

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer kritisierte das heute
erneut. «Geschäfte mit Putin sollten gerade im sensiblen Atomsektor
unterbleiben», sagte der Grünen-Politiker. Es sei bedauerlich, dass
es von Bundeskanzler Friedrich Merz oder Außenminister Johann
Wadephul (beide CDU) kein Wort zur Kooperation der ANF mit dem
russischen Atomkonzern Rosatom in Lingen gebe. Meyer hinterfragte
zudem, warum der Bund keine Risiken für die innere und äußere
Sicherheit durch Spionage oder Sabotage sehe, die dem Land die
Möglichkeit gegeben hätten, die Genehmigung zu verweigern.

Das Bundesumweltministerium erklärte, es habe wiederholt zum Ausdruck
gebracht, dass es eine Kooperation mit einem russischen Staatskonzern
kritisch sehe. Das geeignete Instrument, damit umzugehen, seien
EU-weite Sanktionen auch für den Nuklearbereich. Für diese habe es
aber bisher keine Mehrheit gegeben. «Daher machen wir uns weiterhin
dafür stark, dass es zu EU-Sanktionen gegen Russland im
Nuklearbereich kommt», erklärte ein Sprecher.