Saar-Regierung sieht Zukunft für umweltfreundlichen Stahl

26.08.2026 10:27

Kann die milliardenschwere Umstellung auf teuren grünen Stahl im
Saarland funktionieren? Die Landesregierung meint, dass der Preis
dafür gezahlt werden muss.

Saarbrücken (dpa/lrs) - Umweltfreundlich produzierter «grüner» Stah
l
hat nach Überzeugung von Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) eine
wirtschaftliche Zukunft. «Deutsche Stahlunternehmen können durchaus
mit umweltfreundlichem Stahl im internationalen Wettbewerb bestehen»,
sagte Barke in einer Fragestunde. Entscheidend dafür sei, dass «die
industriepolitischen Rahmenbedingungen für die Transformation»
stimmten.

Die Unternehmensberatung PwC hatte in einer Studie die Umstellung auf
die europäische Produktion von teurem Stahl ohne CO2-Ausstoß mit
Wasserstoff infrage gestellt. Die Entscheidung, in die Transformation
hin zu «grünem» Stahl zu investieren, sei «goldrichtig», sagte Ba
rke
dazu. «Europäische Stahlproduktion im klimaschonenden Verfahren kann
funktionieren. Sie wird funktionieren, wenn sie als
politisch-ökonomisches Gesamtprojekt verstanden wird.»

Die staatliche Unterstützung für den Umbau der Stahlerzeugung sei
«kein Subventionsgeschenk, sondern eine notwendige
Versicherungspolice für das gesamte Projekt», sagte der Minister.
«Für das Saarland ist Stahl keine Industrie wie jede andere. Stahl
ist das Herzstück unseres Landes.» Der Wegfall der Stahlproduktion
bei Saarstahl und Dillinger würde in einer Kettenreaktion auch
Automobilbau und Maschinenbau mitreißen und Tausende Arbeitsplätze
vernichten.

Die Fähigkeit zur Stahlproduktion sei von strategischer Bedeutung.
«Wir brauchen die Stahlindustrie für Sicherheit und
Verteidigungsindustrie Europas.» Europa und Deutschland hätten «ein
enormes Interesse daran, die Resilienz Europas zu erhalten». Es gehe
nicht nur um betriebswirtschaftliche Überlegungen, sondern auch um
Handelspolitik und «internationale Herausforderungen». Die
Grundstoffindustrie müsse «für alle eventuellen Fälle» erhalten
werden. «Das hat einen politischen Preis, das will ich nicht
verkennen. Aber ich sehe überwiegend die Bereitschaft, diesen
politischen Preis zu zahlen.»

Die Fragestunde war von dem AfD-Abgeordneten Christoph Schaufert
beantragt worden. In der Stahlindustrie des Saarlandes sind rund
12.000 Menschen direkt beschäftigt, weitere 20.000 hängen indirekt
von der Stahlbranche ab. Die saarländischen Stahlproduzenten
Saarstahl und Dillinger Hütte investieren eigenen Angaben zufolge mit
staatlicher Förderung 4,6 Milliarden Euro in einen klimagerechten
Umbau der Stahlproduktion.