Heringsfischerei in der Ostsee - Kritik an EU-Plänen wächst
30.08.2026 06:00
Kritik an den EU-Plänen zur Heringsfischerei wächst: Fachverbände und
Politiker warnen vor Folgen für die kleine Küstenfischerei in der
westlichen Ostsee.
Brüssel/Schwerin/Hamburg (dpa) - Die von der EU-Kommission
vorgeschlagenen Einschränkungen bei der Heringsfischerei in der
westlichen Ostsee stoßen bei Fachverbänden und in
Mecklenburg-Vorpommern auf scharfe Kritik. «Bestandsschutz ist
notwendig, aber er muss dort ansetzen, wo er tatsächlich etwas
bewirkt», sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) der Deutschen
Presse-Agentur dpa. «Es wäre unverhältnismäßig, die ohnehin minim
ale
Heringsquote unserer kleinen Küstenfischerei weiter zu kürzen,
während ein erheblicher Teil der Fänge auf denselben Bestand im
Skagerrak und in der Norwegenrinne erfolgt.»
Kleine Küstenfischerei wäre massiv betroffen
Hering darf in der an Deutschland grenzenden westlichen Ostsee
bereits jetzt weitgehend nicht gezielt gefischt werden. Allerdings
gilt eine Ausnahme für Fischer, die passiv in Küstennähe Hering
fangen, etwa mit Stellnetzen. Diese Ausnahme soll nach Vorstellung
der Kommission nun aber 2027 wegfallen. Das betrifft die kleine
Küstenfischerei, die den Großteil der deutschen Ostseefischer
stellt.
«Die kleine handwerkliche Fischerei komplett zu verbieten und die
Ausnahmegenehmigung für die passive Fischerei für diese
verhältnismäßig geringe Menge zu streichen, wäre das absolut falsch
e
Signal», sagte ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes der
dpa. Die dort entnommen Mengen seien für die Bestandsentwicklung des
westlichen Herings unerheblich, für die wirtschaftliche
Überlebensfähigkeit der Betriebe aber von großer Bedeutung.
Backhaus: «Auch beim Dorsch brauchen wir Augenmaß.»
Backhaus betonte: «Auch beim Dorsch brauchen wir Augenmaß.» Die
tatsächlichen Fänge seien inzwischen verschwindend gering, eine
ausreichende Beifangquote sei aber notwendig, damit überhaupt noch
auf andere Arten gefischt werden könne. Er erwarte von
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), dass Deutschland im
Fischereirat für diese Interessen eintrete. «Wir brauchen wirksamen
Bestandsschutz - aber keine Symbolpolitik, die unsere letzten
Küstenfischer trifft, ohne den Beständen messbar zu helfen.»
Die EU-Kommission hatte zudem vorgeschlagen, die Beifang-Regelung zu
verschärfen. So sollen auch die Zuteilungen unvermeidbarer Beifänge
von Dorsch in der westlichen Ostsee und in der östlichen Ostsee
deutlich sinken, um 88 Prozent auf 31 Tonnen beziehungsweise 51
Prozent auf 211 Tonnen. Beifänge sind nach Angaben der EU-Kommission
ein Problem, da sie gefährdete Arten wie den Dorsch in der Ostsee
bedrohen können.
Minister beraten Ende Oktober über EU-Empfehlungen
Die Kommission erarbeitet jedes Jahr auf Basis von wissenschaftlichen
Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung Vorschläge
dazu, wie viel Fisch aus EU-Meeren gefangen werden darf. Final
beschlossen werden die Mengen aber von den Fischereiministerinnen und
-ministern der EU-Länder. Die Gesamtmenge wird in nationale Quoten
aufgeteilt. Die Minister müssen sich nicht an die Empfehlungen der
EU-Kommission halten. Ende Oktober befassen sie sich mit dem
aktuellen Vorschlag.
