Isländer stimmen gegen EU-Beitrittsverhandlungen

30.08.2026 11:35

Die Bevölkerung Islands entscheidet über den künftigen Kurs im
Verhältnis zur EU. Das wegweisende Referendum geht knapp aus.

Reykjavík (dpa) - Die Einwohnerinnen und Einwohner Islands haben
mehrheitlich gegen eine Wiederaufnahme der Gespräche über einen
EU-Beitritt ihres Landes gestimmt. Das Ergebnis des Referendums fiel
mit 52,8 zu 47,2 Prozent der Stimmen knapp aus, wie die Auszählung
ergab. Gegen die Fortsetzung der vor 13 Jahren unterbrochenen
Verhandlungen stimmten rund 12.000 Menschen mehr als dafür.

Zur Abstimmung aufgerufen waren gut 270.000 Isländerinnen und
Isländer. Ein Fünftel von ihnen hatte nach Angaben des isländischen
Fernsehens bereits vorab abgestimmt.

Die sozialdemokratische Regierungschefin Kristrún Frostadóttir hatte
vorab angekündigt, sie werde sich an das Ergebnis der Volksabstimmung
halten. Bereits während der Finanzkrise 2009 hatte das gerade einmal
rund 400.000 Einwohner zählende Land einen Antrag auf
EU-Mitgliedschaft gestellt. Doch nach der Parlamentswahl 2013 legte
die neue EU-skeptische Regierung die Beitrittspläne auf Eis.

Das große Thema Sicherheit

Frostadóttir hatte die Wiederaufnahme der Gespräche kurz vor dem
Referendum im isländischen Fernsehen als «einen der bedeutendsten
Schritte» bezeichnet, mit dem sich Risiken für die Insel reduzieren
ließen. In unsicheren Zeiten wie diesen, in denen sich internationale
Beziehungen veränderten, sei die Frage, ob ein kleines Land wie
Island sich größeren Staaten und Bündnissen annähern sollte. «Wir

sehen um uns herum, dass Länder in unserer Nachbarschaft durch die
Europäische Union geschützt wurden.»

Diese Aussagen wurden vor allem als Anspielung auf den
Grönland-Konflikt verstanden. US-Präsident Donald Trump hatte
wiederholt damit gedroht, die zu Dänemark gehörende Arktisinsel den
Vereinigten Staaten einzuverleiben - und damit auch auf Island Unruhe
ausgelöst. Die Insel hatte 1951 mit den USA ein bilaterales
Verteidigungsabkommen abgeschlossen. Island ist zwar
Gründungsmitglied der Nato, hat aber keine eigene Armee. Die Gegner
der Wiederaufnahme der EU-Gespräche verwiesen darauf, dass das
US-Abkommen und die Nato für die eigene Sicherheit ausreichend
seien. 

Die Fischerei als Knackpunkt

Wirtschaftlich ist Island bereits stark in Europa integriert: Das
Land gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum und genießt die Vorteile

des Binnenmarkts - hat aber bei wichtigen Entscheidungen kein
Mitspracherecht. 

Die Gespräche über einen EU-Beitritt waren im ersten Anlauf vor allem
an der Debatte um die Fischerei gescheitert - den größten und
identitätsstiftenden Wirtschaftszweig der Insel. Auch jetzt waren
wieder große Zweifel aufgekommen, ob ein Beitritt ohne die Aufgabe zu
vieler eigener Rechte möglich wäre. Regierungschefin Frostadóttir
hatte ihren Landsleuten zwar versprochen, Island werde den
Verhandlungstisch schnell wieder verlassen, sollte man nicht die
volle Kontrolle über die eigenen Fischereiressourcen behalten dürfen.
Die Sorge war aber nun wohl zu groß.

Ohnehin wäre der Weg noch recht weit gewesen. Hätten
Beitrittsgespräche letztlich zum Erfolg geführt, hätte das
isländische Volk noch einmal die Wahl gehabt: Für diesen Fall hatte
die Regierung ein zweites Referendum angekündigt, in dem die Isländer
über die Mitgliedschaft abstimmen dürften.