«DNA»: Brüssel muss sich nach Island-Abstimmung Fragen stellen

31.08.2026 09:07

Straßburg (dpa) - Zur Abstimmung der Isländer gegen eine
Wiederaufnahme der Gespräche über einen EU-Beitritt ihres Landes
schreibt die ostfranzösische Tageszeitung «Les Dernières Nouvelles
d'Alsace» am Montag: 

«Der Schlag ist hart für die 27, die keinen Hehl aus ihrer Freude
gemacht hätten, ein reiches und stabiles Land dazuzugewinnen, das
Geld in den Haushalt der EU gebracht hätte. Die aktuellen
Beitrittskandidaten haben gelinde gesagt ein anderes Profil.

Das Ergebnis dieser Abstimmung muss dazu führen, dass Brüssel sich
Fragen stellt. Indirekt zeugt sie vom Attraktivitätsverlust einer
Union, die gedacht war, um eine Schicksalsgemeinschaft zu formen,
aber immer mehr als komplexe und träge Maschine wahrgenommen wird,
die in einer veränderten Weltordnung nicht mehr wirklich Einfluss
ausüben kann.

Aber Europa hat immer wahre Trümpfe, die es zur Geltung bringen kann.
Seine Schwächung ist nicht unausweichlich. Doch es braucht einen
gemeinsamen politischen Willen, um dieses «Nei» (Isländisch für
«Nein») in einen Schub zu verwandeln.»