Sprengstoff-Drohne: Strack-Zimmermann will Nato-Befassung
01.09.2026 14:30
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments hat
keine Zweifel daran, dass hinter der Drohne am Leipziger Flughafen
Russland steckt. Kann die Nato bei der Deeskalation helfen?
Wicklow (dpa) - Die deutsche Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes
Strack-Zimmermann wirbt für eine Nato-Befassung mit dem Fall der
Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Artikel 4 auszulösen,
mache wirklich großen Sinn, sagte die Vorsitzende des
Verteidigungsausschusses des Europaparlaments mit Blick auf die dort
vorgesehenen Konsultationen mit Bündnispartnern im Fall einer
Gefährdung. «Das ist keine Eskalation, das ist eine Deeskalation,
weil wir auf alles gefasst sein müssen.»
Mit Blick auf die Herkunft der Drohne forderte Strack-Zimmermann
Klartext von der Bundesregierung. «Ich glaube, dass das Kind beim
Namen genannt werden muss, dass Russland dahintersteckt», sagte die
FDP-Politikerin. Präsident Wladimir Putin sei lange in Deutschland
und später Geheimdienstchef gewesen und solche Methoden seien
Methoden der Sowjetunion der 70er und 80er Jahre. «Er hat diese
Giftkiste aufgemacht», sagte sie am Rande eines informellen
EU-Verteidigungsministertreffens in Irland.
Kommen neue Sanktionen?
Als unklar bezeichnete Strack-Zimmermann, ob die Sprengstoff-Drohne
Schaden anrichten sollte. Vielleicht sollte sie auch einfach nur die
gerade laufende Diskussion lostreten, erklärte sie. Deutschland und
die EU sollten ihrer Meinung nach nun mit neuen Sanktionen und einem
noch schärferen Vorgehen gegen die russische Schattenflotte zur
Umgehung von bereits bestehenden Strafmaßnahmen reagieren und zudem
noch einmal eine stärkere Nutzung von eingefrorenem russischen
Staatsvermögen für die Ukraine prüfen.
Die Bundesregierung hat sich öffentlich bislang nicht dazu geäußert,
was Ermittler in den vergangenen Wochen zur Herkunft der
Sprengstoff-Drohne herausgefunden haben. Die Bekanntgabe von
Informationen wird aber in Kürze erwartet. Der mit Sprengstoff
präparierte Flugkörper war am Abend des 4. August im
Sicherheitsbereich des Flughafens zwischen ukrainischen
Frachtmaschinen entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft sprach von
einem «schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und
Logistikinfrastruktur in Deutschland». Ermittelt wird wegen des
Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und
des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.
Ein Einschalten der Nato über Artikel 4 des Bündnisvertrages würde
formelle Konsultationen der Alliierten zur Folge haben. Konkret heißt
es in dem Artikel: «Die Parteien werden einander konsultieren, wenn
nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die
politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien
bedroht ist.» Die Beratungen sind in der Regel vor allem symbolisch
als Signal an den Gegner relevant. Sie können aber auch dazu führen,
dass bedrohte Staaten zusätzliche Bündnisunterstützung in den
Bereichen Abschreckung und Verteidigung bekommen.
