EU-Richtlinie zwingt Ritter Sport zu neuen Verpackungen
01.09.2026 15:07
Wegen neuer EU-Vorgaben muss Ritter Sport alte Verpackungen mit
Stickern überkleben. Was sich für Verbraucherinnen und Verbraucher
jetzt auf den Tafeln ändert.
Waldenbuch (dpa) - Der Schokoladenhersteller Ritter Sport überklebt
seit mehreren Monaten bestehende Schokoladentafeln mit einem Sticker,
um die Anforderungen einer EU-Richtlinie zu erfüllen. Unter dem
Aufkleber verschwindet ein Claim, mit dem Ritter Sport jahrelang
geworben hatte: «100 % zertifiziert nachhaltiger Kakaobezug», wie
eine Sprecherin des Familienunternehmens in Waldenbuch (Kreis
Böblingen) mitteilte.
Grund für das Überkleben ist die sogenannte EmpCo-Richtlinie der EU
(Empowering Consumers for the Green Transition). Diese tritt den
Angaben zufolge Ende September in Kraft und soll «Greenwashing»
unterbinden. Vage Begriffe wie «umweltfreundlich» oder eben
«nachhaltig» sind künftig nur noch erlaubt, wenn sie auf der
Verpackung detailliert belegt werden. Zunächst hatten mehrere Medien
über das Thema berichtet.
Unternehmen leidet unter Wirtschaftsflaute
Die Sprecherin konnte keine Angaben machen, wie viele Packungen
überklebt werden müssen. «Der Packungsrelaunch mit der neuen Folie
ist in vollem Gange, lässt sich aber nicht innerhalb von ein paar
Monaten umsetzen.» Die neuen Primärfolien werden demnach künftig auf
der Frontseite die Auslobung «ohne Zusatz von Aromen» und auf der
Rückseite den Hinweis auf den nach wie vor 100 Prozent zertifizierten
Kakaobezug mit entsprechenden Hinweisen tragen. «Wie mehrfach
kommuniziert, war es uns wichtig, keine Folien zu vernichten.»
Das Familienunternehmen sagte zu der neuen EU-Regelung weiter, man
befürworte grundsätzlich Maßnahmen, die der Transparenz dienten und
bei den Verbrauchern Klarheit schafften, durch substantiierte und
spezifische Aussagen mit Nachweisbarkeit. «Allerdings stellt die
verbleibende Rechtsunsicherheit in der Umsetzung bzw. Auslegung in
verschiedenen europäischen Ländern eine Herausforderung dar.»
Ritter Sport hatte Ende April mitgeteilt, dass nach einem Verlust im
vergangenen Jahr etwas mehr als jede zehnte Stelle wegfallen soll.
Das sei der erste Stellenabbau in der mehr als 110-jährigen
Unternehmensgeschichte. Als Gründe nannte der Sprecher stark
gestiegene Rohstoffpreise, vor allem bei Kakao. Aber auch die Preise
für Energie und Verpackungen hätten das Geschäft zuletzt belastet.
Zudem sei eine deutliche Kaufzurückhaltung zu spüren.
