Nach Leipzig: Russland droht massives Sanktionspaket der EU Von Ansgar Haase und Jörg Blank und Michael Brandt , dpa
02.09.2026 14:04
Zwischen Moskau und Berlin verschärfen sich wegen der
Sprengstoff-Drohne in Leipzig die Spannungen. Die EU bereitet
unterdessen neue Sanktionen vor.
Wicklow/Brüssel (dpa) - Russland muss nach dem Anschlagsversuch mit
einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle mit einem
umfassenden neuen Sanktionspaket der Europäischen Union rechnen - und
verschärft den Ton gegenüber Berlin.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte bei Beratungen der
Außenminister in Irland, es liefen bereits Vorbereitungen, um 1.600
weitere Personen und Unternehmen mit Verbindungen zum
militärisch-industriellen Komplex Russlands mit Strafmaßnahmen zu
belegen. Möglicherweise würden weitere hinzukommen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte am Rande
eines Treffens mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte, wäre der Angriff
von Leipzig erfolgreich gewesen, hätte er enorme Schäden verursacht
und möglicherweise sogar Menschenleben gekostet. Dies werde man nicht
tolerieren.
Falls die Absicht darin bestanden habe, die EU dazu zu bringen, die
Unterstützung für die Ukraine zu überdenken, könne sie nur sagen,
Einschüchterung werde nicht funktionieren, sagte von der Leyen. Nach
Erkenntnissen deutscher Ermittler richtete sich der Anschlagsversuch
gegen eine ukrainische Frachtmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor.
Die Bundesregierung rechnete ihn am Dienstag nach wochenlangen
intensiven Ermittlungen eindeutig Russland zu und kündigte
Strafmaßnahmen an.
Vorwürfe aus Moskau
Zwischen Berlin und Moskau zeichnet sich seitdem eine deutliche
Verschärfung der Spannungen ab. Russlands Präsident Wladimir Putin
bezeichnete den von Berlin angekündigten Maßnahmenkatalog gegen sein
Land als «schweren Fehler» und sprach von Beweisfälschung. Das
Außenministerium in Moskau kündigte Gegenmaßnahmen an.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul informierte bei dem
EU-Treffen in der Grafschaft Wicklow seine europäischen Kolleginnen
und Kollegen über die Erkenntnisse zu dem Drohnenvorfall. Scharf wies
der CDU-Politiker Vorwürfe Putins zurück, Deutschland habe im
Zusammenhang mit dem Strafkatalog gegen Moskau aus wahltaktischen
Gründen Beweise gefälscht.
Wadephul kontert
«Das Gegenteil ist richtig», sagte Wadephul vor Journalisten. «Wenn
man wahltaktisch gedacht hätte, hätte man das vielleicht vermieden,
weil es natürlich gerade in den Wahlkämpfen in Ostdeutschland zu
vielen Diskussionen führt.» Im Kreis der EU-Kolleginnen und -Kollegen
habe er sehr viel Unterstützung für die Maßnahmen erfahren. Wie in
Deutschland würden auch in zahlreichen anderen Ländern die russischen
Botschafter einbestellt. Unter anderem haben Frankreich, die
Niederlande und Finnland russische Vertreter in ihren Ländern
einbestellt.
Die Bundesregierung hatte am Dienstag ein ganzes Bündel von
Vergeltungsmaßnahmen gegen Russland angekündigt. Dazu zählen die
Schließung des Russischen Hauses in Berlin - das Kulturinstitut steht
im Verdacht, als Tarnung für Spionagezwecke zu dienen - und des
Generalkonsulats in Bonn sowie die damit verbundene Ausweisung
zahlreicher Diplomaten. Zudem soll es verschärfte Einreisekontrollen
für Russen sowie ein härteres Vorgehen gegen die russische
Schattenflotte geben.
Paris will Kampf gegen Schattenflotte ausweiten
Bei dem Treffen in Irland sagte Frankreichs Außenminister Jean-Noël
Barrot, wie auch bei früheren Ereignissen werde man nicht wegschauen
und Konsequenzen aus solchen Taten ziehen. Man werde selbst
Sanktionen gegen eine Reihe von Schiffen der Schattenflotte
vorschlagen und auch von Deutschland vorgelegte Sanktionsvorschläge
unterstützen.
Die finnische Außenministerin Elina Valtonen sagte, es sei sehr
wichtig zu verstehen, dass Russland wirklich vor keinerlei Mitteln
zurückschrecke, um die westliche Einheit herauszufordern. Es sei
jetzt wichtig, den Druck auf Moskau mit Sanktionen erhöhen und die
Unterstützung für die Ukraine fortzusetzen.
Die Arbeiten an dem Sanktionspaket hatte Kallas bereits im August
angekündigt, also bevor Deutschland Russland öffentlich für den
Drohnenvorfall verantwortlich machte. Das Paket soll auch die
russische Kriegsführung gegen die Ukraine weiter erschweren.
Rutte: Registrieren Zunahme feindseliger Aktivitäten
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sagte, Russland handele zunehmend
rücksichtslos, während es seinen schrecklichen Krieg gegen die
Ukraine fortsetze. Man sehe, wie immer mehr Drohnen und Raketen
entlang der Ostflanke in den Nato-Luftraum eindringen und damit die
Risiken erhöhen würden. Zudem registriere man eine Zunahme
feindseliger Aktivitäten, die direkt auf das Bündnisterritorium
abzielten.
«Die Gefahren, die von Russland ausgehen, sind eindeutig», sagte er.
Man arbeite rund um die Uhr daran sicherzustellen, dass man
vorbereitet sei und die Bevölkerung schützen könne. Wie von der Leyen
warnte er die Regierung in Moskau zudem vor Illusionen: «Falls
Russland glaubt, uns durch diese Bedrohungen spalten zu können, oder
falls es glaubt, uns von der Unterstützung der Ukraine abschrecken zu
können, dann irrt es sich.»
