Bundesregierung: Zu viele Urlaubsvisa für Russen in der EU

02.09.2026 18:27

Die Bundesregierung will eine konsequente Anwendung von Regeln für
Urlaubsvisa russischer Staatsbürger in der EU. Diese würden noch «von

verschiedenen Ländern unterschiedlich streng ausgeführt».

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung drängt europäische Partner zu
konsequenteren Beschränkungen für Tourismusreisen russischer
Staatsbürger in die EU. «Die Anzahl der erteilten Visa, C-Visa für
russische Staatsangehörige zum Urlaub in der Europäischen Union, die
ist zu hoch», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Am Vortag hatte die Bundesregierung Russland für den gescheiterten
Drohnenangriff in Leipzig verantwortlich gemacht und Konsequenzen
verkündet.

Der Sprecher erinnerte an eine Festlegung in der Europäischen Union
aus dem Jahr 2022, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Anzahl dieser
C-Visa abgesenkt werde. Diese werde «von verschiedenen Ländern
unterschiedlich streng ausgeführt». Zudem gehe es darum
sicherzustellen, dass nur Personen einreisen, von denen nicht auch
noch eine Gefahr ausgeht.

Italien, Frankreich und Spanien führen bei Visa-Vergabe

Nach EU-Daten wurden im vergangenen Jahr durch Konsulate in Russland
noch rund 619.000 Visa für Kurzzeitaufenthalte in EU-Ländern oder in
anderen Schengenstaaten wie der Schweiz erteilt. Grundsätzlich ist es
Sache der Mitgliedsländer zu entscheiden, wer ein Visum bekommt und
wer nicht. 

Besonders häufig genehmigten der EU-Statistik nach im vergangenen
Jahr Konsulate Italiens (rund 161.000), Frankreichs (rund 157.000),
Spaniens (rund 123.000) sowie Griechenlands (rund 59.000) Visa in
ihren russischen Konsulaten. Deutschlands Konsulate in Russland
vergaben demnach noch rund 20.000 Visa für Aufenthalte im
Schengenraum. Die Statistik erfasst Visumanträge in Russland und
damit auch Staatsangehörige anderer Länder; der weitaus größte Teil

der Antragsteller dürfte jedoch aus Russland stammen.

Weiteres Vorgehen gegen das Russische Haus

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes erläuterte zudem die Entscheidung
gegen den weiteren Betrieb des russischen Kulturinstitutes -
genannt Russisches Haus - in Berlin. Dieser werde getrennt von den
Besitzverhältnissen in einem Kulturinstitutsabkommen aus dem Jahr
2011 geregelt - mit einer regulären Kündigungsmöglichkeit zum Ende
dieses Jahres.

«Diese Kündigung haben wir jetzt ausgesprochen», sagte er. Das
bedeute, der Betrieb als Kulturinstitut werde zur Mitte des kommenden
Jahres auslaufen. Allerdings würden die Betriebsmöglichkeiten schon
vorher weiter eingeschränkt, indem sämtliche Mitarbeiter, die aus
Russland entsandt sind, zur Ausreise aufgefordert würden, gemeinsam
mit den Mitarbeitern des russischen Generalkonsulats aus Bonn.

Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte, die
Bundesregierung sei auf Reaktionen der russischen Regierung auf die
Entscheidungen vom Vortag vorbereitet. Er sagte: «Wir gehen
gleichzeitig davon aus, dass man im Kreml das gestrige Signal klar
und deutlich verstanden hat. Diese hybriden Angriffe erreichen ihr
politisches Ziel nicht. Russland schadet sich am Ende selbst.»