Warum in Deutschland Gaskraftwerke gebaut werden sollen Von Martina Herzog, dpa

02.09.2026 15:34

Deutschland plant neue Gaskraftwerke als Reserve für Zeiten mit wenig
Wind und Sonne. Dafür gibt es nun grünes Licht aus Brüssel. Worum es

geht.

Brüssel (dpa) - Jahrelang verhandelte das
Bundeswirtschaftsministerium mit der EU-Kommission, nun ist klar:
Deutschland kann in den nächsten fünf Jahren zahlreiche neue
Gaskraftwerke bauen. Die EU-Kommission gab grünes Licht für die
geplante Unterstützung mit bis zu 35 Milliarden Euro. 

Die Förderung greift ab 2031, wenn die Kraftwerke in Betrieb gehen.
Die bereits angefallenen Baukosten werden dann im Nachhinein über den
Betrieb mit Staatsgeld unterstützt. Es geht um insgesamt 11 Gigawatt
neuer Kapazitäten, die spätestens Ende 2031 am Netz sein sollen.
Kraftwerksbetreiber können sich in einer Auktion darum bewerben.

Warum sollen in Deutschland neue Gaskraftwerke gebaut werden?

Das Stichwort heißt «Dunkelflauten». Damit sind Zeitpunkte gemeint,
zu denen es wenig Sonnenlicht und Wind gibt - und damit auch die
Stromerzeugung mit Photovoltaik und Windrädern einbricht. Zudem kommt
der Ausbau der Stromnetze nicht schnell genug voran, es kann
punktuell zu viel oder zu wenig Strom geben. Das sollen die neuen
Gaskraftwerke abfedern. Sie sind als Reserve geplant und sollen nur
bei Engpässen einspringen. 

Damit sich das Ganze für die Kraftwerksbetreiber trotzdem lohnt, soll
ab 2032 ein sogenannter Kapazitätsmarkt entstehen. Das heißt,
Kraftwerksbetreiber werden dafür bezahlt, dass sie Kapazitäten
vorhalten, die gerade nicht gebraucht werden.

Was wird der Bau kosten - und wer wird das bezahlen?

Die EU-Kommission hat staatliche Unterstützung für den Bau neuer
Gaskraftwerke von bis zu 35 Milliarden Euro genehmigt. Die
Förderkosten sollen ab 2031 auf die Stromkunden umgelegt werden. 

In ihrem ursprünglichen Gesetzentwurf war die Bundesregierung von 1
bis 3 Milliarden Euro im Jahr 2031 und danach von jährlichen Kosten
von 0,9 bis 2,3 Milliarden Euro ausgegangen. Im Bundestag wurden
allerdings einige Änderungen vorgenommen, die aus Sicht von Kritikern
die Kosten hochtreiben könnten. 

Wie wichtig sind Gaskraftwerke derzeit für die Stromversorgung?

Im vergangenen Jahr wurden laut Bundesnetzagentur 13,8 Prozent des
Stroms in Deutschland aus Erdgas erzeugt. Die weitaus wichtigste
Rolle spielen hier erneuerbare Energien mit insgesamt 58,8 Prozent,
wobei die Windkraft besonders wichtig ist. Auch aus Kohle wird in
Deutschland Strom erzeugt.

Mit der Umstellung auf Technologien wie Wärmepumpen und Elektroautos
wird erwartet, dass der Stromverbrauch in Zukunft steigt.

Was heißt das für den Klimaschutz?

Die deutschen Klimaziele gelten weiter. Bis 2045 will Deutschland
klimaneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als wieder
gespeichert werden können. Allerdings wird es immer schwieriger, das
zu schaffen, je länger Deutschland fossile Energieträger wie Gas und
Kohle verbrennt. Daneben sollen 2030 mindestens 80 Prozent des Stroms
aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Energien kommen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert,
mit den geltenden Ausschreibungsregeln sei der Bau von Alternativen
wie Batteriespeichern de facto ausgeschlossen. 

Allerdings gibt es eine wichtige Vorgabe für die geförderten
Kraftwerke: Alle neuen Gaskraftwerke, die sich um einen Vertrag mit
15-jähriger Laufzeit bewerben, müssen so gebaut werden, dass man sie
künftig auf den Betrieb mit Wasserstoff umstellen kann. Wasserstoff
gilt als Hoffnungsträger für die künftige Energieerzeugung. Wie
klimafreundlich er ist, hängt davon ab, ob für seine Gewinnung
erneuerbare Energien zum Einsatz kommen.