Leipziger Sprengstoffdrohne: Rom prüft Infos zu Verdächtigem

02.09.2026 19:32

Italien will prüfen, ob ein möglicher Verdächtiger im Fall der
Leipziger Sprengstoffdrohne mit einem Touristenvisum in die EU
eingereist ist. Auf EU-Ebene kocht eine brisante Diskussion wieder
hoch.

Wicklow (dpa) - Italien will Informationen prüfen, nach denen ein
möglicher Beteiligter an dem mutmaßlich russischen Anschlagsversuch
auf dem Flughafen Leipzig/Halle mit einem von Italien ausgestellten
Touristenvisum in die EU eingereist sein soll. Der italienische
Außenminister Antonio Tajani sagte am Rande eines EU-Treffens in
Irland, es werde nun alle notwendigen Untersuchungen geben.
Grundsätzlich gelte, dass es ein Verfahren für die Erteilung von Visa
gebe und dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssten. Wenn
die betreffenden Personen diese Voraussetzungen erfüllten und zu
ihnen keine Warnmeldung vorliege, werde das Visum erteilt.

Zuvor hatten NDR, WDR und «Süddeutsche Zeitung» berichtet, dass es
Ermittlern des Bundeskriminalamtes (BKA) inzwischen gelungen sei,
Tatverdächtige zu identifizieren. Die «Zeit» berichtete, es werde
gegen zwei Beschuldigte ermittelt. Nach Recherchen von NDR, WDR und
«SZ» soll einer von ihnen mit einem italienischen Touristenvisum in
den Schengenraum eingereist sein. Das Dokument sei nach Erkenntnissen
der Behörden Ende April an einer italienischen Auslandsvertretung in
Minsk in Belarus ausgestellt worden.

Diskussion über Visa-Regeln

Bei dem EU-Außenministertreffen in Irland sorgten die Berichte für
neue Diskussionen über eine mögliche Verschärfung von Visa-Regeln.
Wenn es stimmen sollte, dass einer der Verdächtigen mit einem
italienischen Touristenvisum in die EU gereist sei, dann zeige dies
sehr deutlich, dass der EU mit Hilfe von Visa Schaden zugefügt werden
könne, sagte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas.

Viele Mitgliedstaaten hätten bereits in der Vergangenheit darauf
hingewiesen, dass solche Touristenvisa für Sabotageakte genutzt
würden, weil die Täter in die Europäische Union gelangen müssten. S
ie
hoffe, dass es im Fall einer Bestätigung der Informationen eine
Verschärfung der derzeitigen Visabeschränkungen geben könne. «Denn

hier geht es tatsächlich auch um unsere eigene Sicherheit», sagte
sie.

In der EU wird seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die
Ukraine immer wieder über die Visaregeln für Menschen aus Russland
und Partnerstaaten wie Belarus diskutiert. Sie wurden bereits
mehrfach verschärft, ermöglichen es EU-Staaten aber weiterhin,
zahlreiche Visa an Touristen aus den Ländern auszustellen. So
vergaben etwa italienische, französische und spanische Konsulate in
Russland zuletzt immer noch eine sechsstellige Zahl an Schengen-Visa.
Den Ländern wird von Kritikern vorgeworfen, nicht auf wohlhabende
Touristen verzichten zu wollen.