Kiesewetter: Maßnahmen gegen Russland reichen nicht

03.09.2026 00:01

Der CDU-Außenexperte fordert nach dem Anschlagsversuch am Flughafen
Leipzig/Halle härtere Schritte gegen Russland. Warum ihm die
bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung nicht ausreichen.

Berlin (dpa) - CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter hält die von
der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen gegen Russland nach dem
versuchten Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen
Leipzig/Halle für unzureichend. «Das Russische Haus und das
Generalkonsulat hätten ohnehin längst aus Sicherheitsgründen
geschlossen werden müssen», sagte Kiesewetter dem Redaktionsnetzwerk
Deutschland (RND). Es reiche nicht aus, lediglich «symbolische und
diplomatische Maßnahmen» zu treffen. 

Kiesewetter forderte Konsultationen nach Artikel 4 des
Nato-Vertrages. «Denn die Systematik der Angriffe richtet sich auch
gegen die Nato und soll das Verteidigungsbündnis spalten und
schwächen», sagte er. Artikel 4 sieht Beratungen der Verbündeten vor,

wenn sich ein Nato-Staat für von außen gefährdet erklärt. Die
Bundesregierung will ihn aber nicht ziehen. 

Kiesewetter rechnet mit «weiterem Terror Russlands»

Russland sehe rein diplomatische und symbolische Maßnahmen als
Zeichen von Schwäche, sagte der CDU-Politiker weiter. Deshalb sei zu
erwarten, dass Russland seine Maßnahmen ausweiten werde. «Ich rechne
also mit weiterem Terror Russlands und kriegerischen Maßnahmen wie
Sabotage, gezielten Morden und Terroranschlägen auch in
Deutschland.» 

Die Bundesregierung hatte am Dienstag ein ganzes Bündel von
Vergeltungsmaßnahmen gegen Russland angekündigt. Dazu zählen die
Schließung des Russischen Hauses in Berlin - das Kulturinstitut steht
im Verdacht, als Tarnung für Spionagezwecke zu dienen - und des
Generalkonsulats in Bonn sowie die damit verbundene Ausweisung
zahlreicher Diplomaten. Zudem soll es verschärfte Einreisekontrollen
für Russen sowie ein härteres Vorgehen gegen die russische
Schattenflotte geben. 

Eine mit Sprengstoff und Zündmechanismus präparierte Drohne war am
Abend des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens
Leipzig/Halle zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden.
Die Bundesanwaltschaft nahm Ermittlungen auf und sprach von einem
«schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur
in Deutschland».