EU-Kommissarin sagt Serbien-Besuch wegen Mladic-Verherrlichung ab

04.09.2026 15:13

Serbien will der EU beitreten. Die zuständige europäische
Spitzenpolitikerin kritisiert den Umgang mit dem gestorbenen
Kriegsverbrecher Ratko Mladic scharf und sieht ein grundsätzliches
Problem.

Brüssel/Straßburg/Belgrad (dpa) - EU-Erweiterungskommissarin Marta
Kos hat aus Protest an Serbiens Umgang mit dem gestorbenen
Kriegsverbrecher Ratko Mladic einen geplanten Besuch abgesagt. «Die
Rückführung seiner sterblichen Überreste nach Belgrad erinnert Europa

an die dunkelsten Kapitel unserer jüngeren Geschichte. Die
Verherrlichung seines Todes ist unvereinbar mit den Werten, auf denen
der Weg in die EU beruht», schrieb die slowenische Spitzenpolitikerin
auf der Plattform X. 

Vor diesem Hintergrund verzichte sie auf ihren geplanten Besuch in
Serbien. Ursprünglich wollte Kos kommende Woche in die serbische
Hauptstadt reisen. Der Weg in die EU erfordere die Aufarbeitung der
Vergangenheit, echte Versöhnung und den Respekt vor den Opfern von
Kriegsverbrechen, schrieb Kos weiter. «Die Werte, auf denen unsere
gemeinsame Zukunft beruht, sind nicht verhandelbar.» 

Mladic starb in Haft

Mladic war Ende Juli in einem Gefängniskrankenhaus in Den Haag
gestorben. Ein internationales Gericht hatte ihn wegen
Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg (1992-1995) zu einer lebenslangen
Gefängnisstrafe verurteilt. Unter anderem wies es ihm die Schuld am
Massaker von Srebrenica im Juli 1995 nach, bei dem bosnisch-serbische
Milizen unter seinem Kommando mehr als 8.000 Menschen, hauptsächlich
Männer und männliche Jugendliche, getötet hatten. 

Mladic war bosnischer Serbe, erhielt aber seinen Sold und später
seine Rente von der Armee des Staates Serbien. Nach seinem Tod wurde
Mladics Leichnam am Donnerstagabend in einem serbischen
Militärflieger nach Belgrad überführt.

Serbischen Medienberichten zufolge ist Mladic' Beerdigung am
Belgrader Friedhof Topcider am kommenden Montag geplant.
Staatspräsident Aleksandar Vucic erklärte, dass er daran nicht
teilnehmen werde, weil er zu diesem Zeitpunkt keine Zeit habe: Er
empfange Anfang der Woche den usbekischen Präsidenten Shavkat
Mirziyoyev zu einem offiziellen Besuch in Belgrad. An diesem Samstag
ist ferner in Belgrad eine Gedenkfeier für Mladic im Belgrader Haus
der Armee geplant.

Serbien will in die EU

Serbien verhandelt seit 2014 über einen EU-Beitritt. Unter seinem
teilweise autoritär regierenden Präsidenten Aleksandar Vucic sind
dabei seit Jahren keine Fortschritte zu verzeichnen. In Hinblick auf
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit soll sich die Lage Beobachtern
zufolge sogar verschlechtert haben. 

Auch der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty,
kritisierte die Situation. Er «verabscheue die öffentliche
Verherrlichung» von Mladic, teilte er mit. Der Europarat wurde 1949
zum Schutz von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaat in Europa
gegründet. Er ist von der Europäischen Union unabhängig.