Dänemark will 2027 in Zentren außerhalb der EU abschieben
04.09.2026 15:33
Seit Jahren wird in der EU auch auf deutsche Initiative über
sogenannte Return Hubs diskutiert - also über Abschiebezentren in
Drittstaaten. Dänemark nennt nun ein erstes Datum.
Kopenhagen (dpa) - Dänemark will bereits im kommenden Jahr erste
Migranten in Abschiebezentren außerhalb der Europäischen Union
unterbringen. Aus dänischer Sicht gehe man davon aus, «dass wir im
Laufe des Jahres 2027 bereit sein werden, die ersten irregulären
Migranten in ein Partnerland außerhalb der Europäischen Union zu
überführen», sagte der dänische Minister für Migration und
Integration, Morten Bødskov, nach einem Treffen der Arbeitsgruppe um
Deutschland und andere EU-Länder. Bundesinnenminister Alexander
Dobrindt (CSU) hofft indes weiter auf eine Vereinbarung mit
Drittstaaten noch in diesem Jahr.
Worum es bei «Return Hubs» geht
In die geplanten Abschiebezentren - auch «Return Hubs» genannt -
sollen vollziehbar ausreisepflichtige Personen kommen, die nicht in
ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden können - etwa, weil das
Heimatland sich weigert, sie zurückzunehmen. Deutschland treibt das
Vorhaben bereits seit längerem gemeinsam mit Österreich, Dänemark,
Griechenland und den Niederlanden voran.
Dobrindt sprach von einem «enorm wichtigen Treffen» der Arbeitsgruppe
in der dänischen Hauptstadt und kündigte ein nächstes Treffen für
Ende September in München an. «Wir wollen in diesem Jahr noch eine
Vereinbarung mit Drittländern erreichen, die dann den Aufbau von
Return Hubs ermöglichen.» Dieses Zieldatum ist allerdings nicht neu.
Unklar, welche Länder mit im Boot sein sollen
Die Staaten hätten sich nun auf Grundsätze «für das weitere Vorgehe
n»
und die Umsetzung der Return Hubs geeinigt, sagte Bødskov. Die
Abschiebezentren müssten ein «gemeinsames europäisches Projekt» in
Einklang mit dem EU-Recht und internationalen Verpflichtungen sein.
Zudem müsse ein Return-Hub-Modell die Zahl der Menschen, die illegal
in die EU einwandern, spürbar reduzieren, sagte er. Mit welchen
Drittstaaten man über die Zentren verhandle, blieb unklar.
Über mögliche «Return Hubs» wird seit Jahren diskutiert, sie sind
höchst umstritten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty
International befürchtet etwa mögliche Menschenrechtsverletzungen in
den Abschiebezentren und warnt vor Vereinbarungen mit konfliktreichen
und politisch instabilen Ländern. Marcel Emmerich, innenpolitischer
Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sprach nach dem Treffen in
Dänemark von einem «Verschiebespiel, das kein Problem löst».
«Dobrindt verwechselt Härte mit Wirksamkeit und lenkt mit dem
heutigen Treffen von seiner Verantwortung ab», erklärte er.
