Spaniens Regierung übernimmt Kontrolle über Hafen von Ceuta

05.09.2026 15:21

Spaniens Zentralregierung setzt sich über die Regionalverwaltung
hinweg und lässt ein Zeltlager für Migranten im Hafen von Ceuta
errichten.

Madrid/Ceuta (dpa) - Im Streit über die Unterbringung von Migranten
in Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta hat die linke Regierung in
Madrid die Kontrolle über den Hafen des Gebiets übernommen.
Transportminister Óscar Puente unterschrieb eine entsprechende
Anordnung und erlaubte den Aufbau eines provisorischen Zeltlagers für
Migranten im Hafenbereich, wie der staatliche TV-Sender RTVE und
andere spanische Medien übereinstimmend berichteten. Puente setzte
sich damit über eine gegenteilige Entscheidung der lokalen Behörden
hinweg. Das Ministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Die Regionalregierung unter Leitung des Präsidenten der an Marokko
grenzenden Exklave, Juan Jesús Vivas, hatte sich am Freitag gegen den
Aufbau eines solchen Zeltlagers im Hafenbereich ausgesprochen. Der
Hafen sei wichtig für die Versorgung der Exklave, in der Nähe befände

sich zudem ein großes Tanklager. 

Proteste von Anwohnern

Zuvor hatte sich die lokale Verwaltung schon gegen die vorübergehende
Unterbringung von Migranten in einer stillgelegten Fabrik, einem
früheren Militärkrankenhaus oder Sportzentren ausgesprochen. Ein
weiteres Lager für rund 900 Menschen entsteht zurzeit im Stadtteil
Los Rosales. Auch dort gibt es Proteste der Anwohner.

Am 30. und 31. Juli waren nach Regierungsangaben rund 72.000
Migranten von Marokko nach Ceuta geschwommen oder über Grenzzäune
geklettert. Die meisten kehrten binnen Stunden zurück. Jedoch waren
auch gut einen Monat später noch etwa 5.000 Migranten in dem Gebiet,
das nicht einmal so groß wie der Frankfurter Flughafen ist. Davon
sind nach Regierungsangaben 1.200 Minderjährige. 

Demos und Übergriffe auf Migranten

Viele der mehr als 83.000 Einwohner Ceutas sind über die lange
Anwesenheit Tausender Migranten empört. Immer wieder kommt es zu
Demonstrationen und manchmal auch zu gewalttätigen Übergriffen auf
Migranten. Wie die Regionalverwaltung unter Vivas fordern viele, die
Migranten einfach sofort nach Marokko abzuschieben. 

Spanien ist aber gesetzlich zu einer langwierigen Einzelfallprüfung
verpflichtet. Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez steht
deshalb unter starkem Druck. Zudem gibt es erhebliche Zweifel an
ihrer Darstellung, Marokkos Regierung habe nichts mit dem
Massenandrang von Ende Juli zu tun gehabt.