Serbien bereitet Mladic ein Begräbnis mit allen Ehren

07.09.2026 17:34

Der bosnisch-serbische Milizenführer erhält in Belgrad ein
De-facto-Staatsbegräbnis. In Serbien gilt er weithin als Held. In
Bosnien, wo er monströse Verbrechen beging, reißt das alte Wunden
auf.

Belgrad (dpa) - Der im Gefängnis gestorbene bosnisch-serbische
Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist in der serbischen Hauptstadt
Belgrad mit allen staatlichen und militärischen Ehren beigesetzt
worden. Der Zeremonie auf dem Belgrader Friedhof Topcider wohnten
mehrere tausend Menschen bei, wie serbische Medien berichteten. Eine
militärische Ehrenformation begleitete den Sarg, Soldaten feuerten
Salutschüsse ab. 

Mladic war am 27. August im internationalen Gefängnis von Den Haag im
Alter von 84 Jahren gestorben. Er hatte dort eine lebenslange
Haftstrafe verbüßt, zu der ihn ein internationales Tribunal wegen
Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt hatte.
Unter anderem wies es ihm die Planung des Massakers an mehr als 8.000
Menschen, hauptsächlich Männer und männliche Jugendliche, nach dem
Fall der ostbosnischen Enklave Srebrenica im Juli 1995 nach. 

Die serbische Regierung unter dem Präsidenten Aleksandar Vucic, aber
auch weite Teile der serbischen Bevölkerung leugnen bis heute die
Verbrechen, die die bosnisch-serbischen Milizen unter dem Kommando
von Mladic in Bosnien begangen hatten. 

Vucic nicht persönlich dabei 

Die Beisetzung am Montag war von der Regierung als Begräbnis «mit
allen staatlichen und militärischen Ehren» angekündigt worden.
Serbische Medien sprachen von einem «Staatsbegräbnis». Die Regierung

verwendete diesen Begriff nicht, er ist auch im serbischen Recht
nicht definiert. 

Vucic nahm an dem Trauerakt nicht teil. Er begründete dies mit
Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Besuch seines usbekischen
Amtskollegen Schawkat Mirsijojew am selben Tag in Belgrad. Nach
Ansicht von Beobachtern schob er den Termin vor, um internationale
Kritik an Serbien abzufedern. 

Regierungsprominenz und Vucic-Sohn am Grab 

Dafür nahmen mehrere Regierungsmitglieder, unter ihnen Justizminister
Nenad Vujic, sowie Vucic' Sohn Danilo an der Zeremonie teil. Der
jüngere Vucic hat zwar keine formale Funktion, wird aber in Serbien
als Stellvertreter seines Vaters betrachtet, wenn dieser wegen der
Sensitivität eines Themas nicht selbst erscheinen will. 

Am Grab von Mladic standen auch die Spitzen der politischen Führung
der bosnischen Serben, unter ihnen der Präsident des serbischen
Landesteils, Sinisa Karan, und sein durch ein Gerichtsurteil aus dem
Amt entfernter Vorgänger Milorad Dodik. Dieser gilt immer noch als
der eigentlich starke Mann des serbischen Landesteils. 

EU: Kein Platz für Verherrlichung von Kriegsverbrechern 

Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas kritisierte den
Umgang des EU-Beitrittskandidaten Serbien mit dem verurteilten
Kriegsverbrecher Mladic. «Jede Verherrlichung von Kriegsverbrechen,
das Leugnen von Völkermord und Revisionismus widersprechen den
grundlegendsten europäischen Werten und haben keinen Platz in der EU
oder in EU-Kandidatenländern», hieß es in seiner Stellungnahme. 

Bosnien zieht Botschaftspersonal ab 

Serbien verhandelt seit 2014 über einen EU-Beitritt. Im Nachbarland
Bosnien-Herzegowina, das im Krieg von 1992 bis 1995 Schauplatz der
Verbrechen von Mladic war, stieß das De-facto-Staatsbegräbnis auf
Ablehnung und Empörung. Außenminister Elmedin Konakovic kündigte an,

das gesamte Personal außer dem Botschafter und den Konsuln aus der
Botschaft in Belgrad abzuziehen.