Chinas Exporte ziehen an - Weiter Streit mit EU und USA Von Johannes Neudecker, dpa
08.09.2026 07:55
Chinas Exportmotor läuft trotz Kritik von Handelspartnern
unaufhörlich weiter. Auch der Handel mit Deutschland unterstreicht
die Probleme. Nun richtet sich der Blick auf ein mögliches Treffen.
Peking (dpa) - Chinas Exporte haben im August weiter zugelegt. Wie
die Zollbehörde in Peking mitteilte, stiegen die Ausfuhren der
Volksrepublik im August gegenüber demselben Vorjahresmonat in
US-Dollar berechnet um 25 Prozent und damit noch einmal deutlicher
als im Juli (23,9 Prozent). Auch die Importe legten kräftig zu und
kamen im August auf ein Plus von 28,2 Prozent.
Damit trafen die Exporte ungefähr die Erwartungen von Analysten.
Lediglich die Importe fielen etwas geringer aus. Chinas
Handelsüberschuss weitet sich damit im Jahresverlauf seit Januar
zusammengerechnet auf 805,5 Milliarden US-Dollar (derzeit etwa 693,6
Milliarden Euro) aus. 2025 hatte China einen Rekordüberschuss von 1,2
Billionen US-Dollar erreicht.
Chinas Handel profitiert unter anderem vom Ausbau im Bereich
Künstlicher Intelligenz, für den in aller Welt viele Komponenten wie
Halbleiter benötigt werden. Außerdem exportiert China immer mehr
Fahrzeuge ins Ausland, auch weil der Schwung auf dem heimischen
Automarkt nachlässt. Mit Exporten treibt China seinen
Wirtschaftsmotor mit an, weil die Nachfrage im Inland anhaltend
schwach ist. Das liegt mitunter an einer hohen Jugendarbeitslosigkeit
und schwachem Vertrauen unter den Konsumenten.
Wie der Handel mit Deutschland verlief
Chinas schwache Nachfrage ist auch für deutsche Firmen ein Problem.
«Was Unternehmen nach wie vor benötigen, ist eine kräftig anziehende
Binnennachfrage», sagte der Chef der deutschen Auslandshandelskammer
(AHK) in Nordchina, Oliver Oehms. Diese müsse über die
industriepolitischen Schwerpunktbereiche Chinas hinaus in der Breite
der Wirtschaft spürbar werden, erklärte er.
Im Handel mit Deutschland exportierte China im August gegenüber
demselben Vorjahresmonat 9,8 Prozent mehr in die Bundesrepublik. Die
Importe aus Deutschland sanken dagegen um 9,7 Prozent.
Reist Xi in die USA?
Chinas jüngste Außenhandelsdaten kommen wenige Wochen vor einem
anberaumten Treffen zwischen Chinas Staatschef Xi Jinping und
US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner hatte Xi im Mai während
seiner Peking-Reise für den 24. September ins Weiße Haus eingeladen.
China bestätigte den Besuch bislang nicht. Der Handelsstreit beider
Seiten dürfte bei dem Treffen im Mittelpunkt stehen.
Im August stiegen Chinas Exporte in die Vereinigten Staaten im
Vorjahresvergleich um 34,4 Prozent. Die Importe aus den USA legten um
17,8 Prozent zu. Washington kritisiert schon länger das
Ungleichgewicht im Handel mit China und fordert von Peking, die
Nachfrage im Inland anzukurbeln. Derzeit herrscht zwischen den beiden
größten Volkswirtschaften der Welt noch eine Pause im Zollstreit, die
ohne eine Verlängerung im November auslaufen würde.
Ärger bei G20-Treffen
Zuletzt wurde der Ton im Handelskonflikt rauer. Beim Treffen der
G20-Finanzminister in der US-Stadt Asheville beschuldigte
US-Finanzminister Scott Bessent China, eine gemeinsame Erklärung
blockiert zu haben. Stattdessen veröffentlichten die USA als
Vorsitzland eine Mitteilung. Darin stand auch, dass China mehreren
Punkten nicht zugestimmt habe. Einer richtete sich an Länder «mit
übermäßigen und anhaltenden Außenhandelsüberschüssen», die
«Verzerrungen« beseitigen sollten.
Chinas Handelsministerium wies die Darstellung zurück und warf den
USA vor, damit Protektionismus voranzutreiben und Vorwände für
Beschränkungen gegen China zu schaffen. Peking betont immer wieder,
nicht bewusst einen Handelsüberschuss zu erzielen, sondern verweist
darauf, dass das Exportwachstum auf Innovation und der Nachfrage
anderer Länder wie im Bereich grüne Transformation beruhe.
Streit auch mit Brüssel
Die USA zählten einst zu den wichtigsten Absatzmärkten Chinas. Seit
dem Zollstreit verschifft die Volksrepublik ihre Waren verstärkt in
andere Märkte. Das zeigten auch die August-Daten des Zolls, die im
Vorjahresvergleich hohe Exportzuwächse nach Afrika (30,9 Prozent) und
Südostasien (30,2 Prozent) auswiesen.
Auch Europa ist seit längerem ein wichtiger Zielmarkt. Chinas Exporte
dorthin wuchsen im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,6
Prozent. Die Importe aus der EU erreichten dagegen nur ein schwaches
Plus von 0,7 Prozent. Auch Brüssel fordert schon länger von China,
die Schieflage im beiderseitigen Handelsverhältnis zu korrigieren.
Seit Ende Juni verhandelt die EU mit Peking über Lösungen. Bis
Oktober sollen konkrete Ergebnisse auf dem Tisch liegen.
Ob weitere Zölle auf Importe aus China folgen, ist unklar. Die EU
führte bereits Zusatzaufschläge auf in China gefertigte Elektroautos
ein. Chinesische Hersteller sichern sich dennoch nach und nach
Marktanteile in Europa. Gerade in der für Deutschland wichtigen
Automobilindustrie ist der Konkurrenzdruck spürbar.
