EU genehmigt Millionen für Sanofi - Insulinfabrik in Hessen

08.09.2026 19:11

Der Pharmakonzern Sanofi baut in Frankfurt eine neue
Produktionsanlage für Insulin. Das ist in großem Interesse für Stadt,

Land, Bund - und EU, wie jetzt einmal mehr deutlich wird.

Brüssel/Frankfurt (dpa) - Um die Versorgung mit Insulin zu sichern,
darf Deutschland den Arzneimittelhersteller Sanofi mit 400 Millionen
Euro unterstützen. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt könne damit
für seine Nettokosten entschädigt werden, teilte die EU-Kommission
mit. Sie prüft staatliche Beihilfen wie diese, um
Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. 

Die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH verpflichtet sich nach Angaben
der Brüsseler Behörde im Gegenzug dazu, bis Ende 2032 eine neue
Insulinfabrik an ihrem Standort im Frankfurter Stadtteil Höchst
aufzubauen. Dort sollen demnach bis Ende 2042 jährlich mindestens 1,1
Tonnen Insulin hergestellt werden. Der Arzneimittelhersteller muss
zudem eine Tonne pharmazeutischer Insulinwirkstoffe bevorraten und im
Fall eines Engpasses bei der Insulinversorgung die europäischen
Märkte bevorzugt versorgen. 

Wichtig für Diabetiker 

Das Hormon Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die
Körperzellen aufgenommen werden kann. Bei Menschen mit Diabetes
mellitus ist der Blutzuckerspiegel erhöht. Zur Behandlung der
Stoffwechselstörung wird teils Insulin verwendet - technisch
hergestelltes Humaninsulin, das strukturell dem natürlichen
menschlichen Insulin entspricht, oder Insulinanaloga, die molekular
leicht verändert wurden. Durch die Vereinbarung mit Sanofi soll die
Versorgung mit menschlichem Insulin und Insulinanaloga krisenfester
werden. 

Ohne die Gelder würde Sanofi laut Mitteilung der EU-Kommission seinen
deutschen Standort schließen. Es sei die einzige Produktionsstätte
für Humaninsulin im Europäischen Wirtschaftsraum und eine von nur
zwei Insulin-Produktionsstätten im Gebiet. «Da einige Produkte wie
menschliches Insulin nicht mehr im EWR hergestellt würden, wäre
Europa von Einfuhren aus Drittländern abhängig», so die Behörde. 


Neue Anlage ersetzt die bisherige 

Der französische Pharmakonzern Sanofi hatte 2024 angekündigt, bis
2029 rund 1,3 Milliarden Euro in den Bau einer modernen
Insulinproduktionsanlage an seinem Standort in Frankfurt zu
investieren. Sie soll die bisherigen Insulinproduktionsanlagen
ersetzen. Mehrere hundert Fachkräfte sollen dort künftig arbeiten. 

Die Investition von Sanofi wird durch die Unterstützung der
Bundesregierung, der hessischen Landesregierung sowie der Stadt
Frankfurt ermöglicht. Das grüne Licht aus Brüssel war die letzte
Hürde. Am Standort in Frankfurt arbeiteten nach Unternehmensangaben
zuletzt etwa 6.500 Menschen. 

«Pharmastandort Hessen» 

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) begrüßte die Nachricht:
«Das ist ein starkes Signal für den Pharmastandort Hessen und ein
weiterer Meilenstein für die Arzneimittel-Souveränität Europas und
die Exportstärke Deutschlands», teilte er mit. «Die Investition
stärkt unsere Unabhängigkeit bei lebenswichtigen Arzneimitteln und
sichert zugleich industrielle Wertschöpfung und hochqualifizierte
Arbeitsplätze am Standort Frankfurt.» 

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) nannte das Projekt in
einer Mitteilung «ein starkes Bekenntnis zum Pharmastandort Frankfurt
und Hessen». «Vor dem Hintergrund mehrerer gescheiterter
Investitionsprojekte in letzter Zeit bin ich sehr froh, dass nun
dieser wichtige Schritt für diese Investition gelungen ist.»